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Duberney Rojas Seguro M.A.

Soziologie der Politik

E-Mail: duberner{at}icloud.com

Kurzbiographie

Am 09.02.1973 bin ich in Medellín (Kolumbien) geboren. Dort wuchs ich im Kontext städtischer Gewalt, verursacht durch politische und kriminelle Gruppierungen, die um die Stadtviertel konkurrierten, auf. All dies prägte mich in meiner intellektuellen Entwicklung.


Im Jahr 1994 habe ich mich dazu entschieden mein Abitur zu absolvieren. Danach (im Jahr 1996) wurde ich für ein Jahr zum Militärdienst verpflichtet. 1998 begann ich mit dem Studium der Soziologie an der Universidad de Antioquia in Medellín. Gleichzeitig arbeitete ich im Club Deportivo Unión Cristiano (CDUC), einem christlichen Fussballverein, der den Fussballsport in vielen Armenvierteln Medellíns als Medium zur Gewaltprävention einsetzt.  


Ich merkte, dass meine persönliche Geschichte und die Vertrautheit mit den Problemen wie Armut, Drogen und Gewalt, gut zu den Themen des Soziologiestudiums und der praktischen Arbeit im CDUC passten. Viele Untersuchungen für mein Studium konnte ich als Trainer an meinen jugendlichen Fussballspielern im CDUC durchführen. Als Untersuchungsprojekt für meine Magisterarbeit wählte ich Vallejuelos, das damals größte, durch gewaltsame Vertreibung entstandene Stadtviertel Medellíns, in dem ich selber zu dieser Zeit wohnte. Für den CDUC war ich von 1998-2008 in Vallejuelos als Sozialarbeiter und Fussballtrainer tätig. Diese Nähe begünstigte sowohl meine ethnographische Untersuchung, als auch meine Arbeit für den CDUC.
Unter dem Thema: „Vallejuelos: Zum Weinen oder Bewundern?“, schrieb ich meine Magisterarbeit (2002) über die Geschichte und die Entwicklung dieses Stadtviertels.

Ich selber habe den Konflikt zwischen den miteinander um die Vorherrschaft kämpfenden Gruppen erlebt. Es waren die bewaffneten Guerilleros FARC-EP und die ELN, die gegen die paramilitärischen Rechten und die Regierung kämpften.

Von 2005 bis 2006 studierte ich an der Universidad Pontificia Bolivariana Politikwissenschaften mit den Schwerpunkten Kriminalität und Gewalt.  Das Thema der Abschlussarbeit meiner Spezialisierung lautete: „Bewaffnete und unbewaffnete Zivilgesellschaft und ihr Potential in der Dynamik des bewaffneten Konfliktes in Medellín 1985-2005".
Von 2002 bis 2008 erweiterte sich meine Arbeit beim CDUC, indem ich zusätzlich als Projektdirektor, vor allem zur Kontaktpflege mit nationalen und internationalen Sponsoren, eingesetzt wurde. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde ich gebeten ein Projekt in Granada (Spanien) mit Ambassadors in Sport aufzubauen. Von 2009 bis 2012 gestaltete ich dort vorwiegend die Gefängnis – und Kinderarbeit.

Zwischen 2012 und 2014 absolvierte ich an der Universidad Complutense in Madrid das Masterstudium in angewandter Soziologie. In meiner Masterthesis (2014) beschäftigte ich mich mit der Variabilität der Kriminalität in modernen Gesellschaften unter dem Thema: „Die soziale Abweichung: Ein flüssiges Phänomen".

Seit 2013 bin ich verheiratet und habe mich in Deutschland niedergelassen, wo 2015 und 2018 unsere beiden Kinder geboren wurden. Im intellektuellen Bereich widmete ich mich zwischen 2013 und 2015 Folgendem: Dem Lernen der deutschen Sprache und dem Konstruieren eines Untersuchungsprojekts für meine Dissertation.

2015 hat Professor Dr. Peter Imbusch des Fachgebiets Soziologie der Politik der bergischen Universität Wuppertal (BUW) mein Dissertationsprojekt „Die Kriminalisierung der Rechtschaffenheit. Eine Analyse des Kriminalisierungsprozesses von: Julian Assange, Chelsea (Bradley) Manning und Edward Snowden“ als Betreuer angenommen, woraus meine Immatrikulation zum WS 2015/2016 folgte. Seit 2016 unterstützt mich die Graduiertenförderung der BUW mit einem Grundstipendium von zwei Jahren. Zur gleichen Zeit bekam ich einen Vertrag als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer kolumbianischen Universität. Im Rahmen eines Forschungsprojekts mit einer Laufzeit von drei Jahren analysiere ich das Problem der gewaltsamen Vertreibung im besagten Land.

Zwischen 2013 und 2016 engagierte ich mich bei der christlichen Sportorganisation SRS e. V. in der Gefängnisarbeit in Siegburg.

 

Titel und Abstract des Dissertationsprojektes

 

„Die Kriminalisierung der Rechtschaffenheit. Dimensionen der Kriminalisierungsprozesse von Julian Assange, Chelsea (Bradley) Manning und Edward Snowden.“

 


Diese Forschungsarbeit beschäftigt sich mit den paradoxen Kriminalisierungsprozessen der prominentesten Whistleblower des bisherigen 21. Jahrhunderts: Julian Assange, Chelsea (Bradley) Manning und Edward Snowden. Abgesehen von diesen individuellen Fällen der Kriminalisierung soll mit der Dissertation gleichzeitig gezeigt werden, dass die Kriminalisierung der Rechtschaffenheit ein Prozess ist, der zivile und institutionelle Bereiche betrifft. Dies erfolgt mittels Mechanismen wie der massiven Spionage oder willkürlichen militärischen Operationen. Obwohl die Filtrationen der Whistleblower von weiten Teilen der zivilen und institutionellen Sektoren als „richtig“ begrüßt werden, führt dies zur Verfolgung, Verrechtlichung und Diffamierung der Informanten.

Diese asymmetrischen Machtkonflikte zwischen denen, die die Datenlecks legitimieren und denen, die dies verurteilen, sind Untersuchungsgegenstand dieser Forschungsarbeit.

Zwischen 2010 und 2017 führte die erfolgreiche und paradoxe Attribution des Labels des Kriminellen für die, die rechtschaffen handeln, weltweit zu einer lebhaften und vielschichtigen Debatte. Es werden im Rahmen der Dissertation nur Diskurse von konkreten Quellen und zu spezifischen Themen analysiert, wie die Privatsphäre, die nationale Sicherheit, die massive Spionage, die Unterscheidung zwischen Feinden und Bürgern, der Krieg und seine Grenzen, das Zeitalter der Digitalisierung, der Cyberkrieg, die übertriebene staatliche Geheimhaltung, die Demokratie und die neuen Formen des weltweiten zivilen Widerstandes.

Dieses Dissertationsprojekt ist in zweierlei Hinsicht bedeutsam; erstens wegen seines theoretischen und zweitens wegen seines politischen Beitrags. Theoretisch trägt es in erster Linie dazu bei, die fundamentalen Postulate des Labelling Approach zu bestätigen. Diese nehmen die Delikte nicht ontologisch wahr, sondern als Attribut eines von Machtasymmetrien durchzogenen negativen Guts, in dem der überlegene Sektor die Deutungshoheit darüber hat, was als kriminell oder als Krimineller zu betrachten ist. In diesem Sinne trägt die Dissertation insbesondere zur Bestätigung dieser Aussage bei, in der der paradoxe und doch erfolgreiche Prozess der Umwandlung rechtmäßiger Handlungen in Straftaten von maßgeblicher Bedeutung ist. Zweitens werden beim Analysieren dieser Fälle Elemente deutlich, die helfen zu verstehen, wie das Nicht - Kriminelle schließlich wie etwas Kriminelles verfolgt wird. Dies geschieht mit Hilfe einer Reihe von Rechtsmitteln wie dem Patriot Act und dem Espionage Act, die sich beide mit dem Feindstrafrecht analysieren lassen. Drittens ist ein weiterer theoretischer Beitrag, die kritische Neuanpassung der Theorie der Disziplinargesellschaft von Foucault. So werden in der Untersuchung Elemente gefunden, die dazu veranlassen, nicht von einer Disziplinargesellschaft, sondern von einer Militarisierung der Gesellschaft zu reden. Dies führt zu einem anderen Szenarium als dem, welches Foucault in seinen Studien über die Geburt des Gefängnisses analysiert hat.

Politisch ist der Beitrag, der geleistet werden soll, verbunden mit der Demonstration der Inkonsistenz zwischen der gerichtlichen und diskursiven Konstruktion des Kriminellen und dem, was weite gesellschaftliche und institutionelle Sektoren legitimieren und als richtig verteidigen. Anders ausgedrückt kann vorweggenommen werden, dass die Dissertation ein Bündnis mit jenen politischen Kräften der Basis eingeht, die danach streben die Lücke zwischen dem Legalen und dem Rechtmäßigen, zwischen Legalität und Recht abzumildern. So werden geeignetere Existenzbedingungen erreicht, in denen rechtschaffenes Handeln nicht dazu führt, dass diejenigen, die einen größeren Anteil an der Macht haben, darauf solchermaßen antworten: mit Gefängnis, Verfolgung, Schande, Exil, Verhaftung, Willkür, Morddrohungen oder dergleichen.

Vortragstätigkeit

 

03.07-06.07.2019 „Tod des Landmannes oder seine politische Transformation?“ Vortrag im Rahmen des Kongresses “XIII Congreso Español de Sociología“ in Valencia (Spanien), organisiert von der Federación Española de Sociología (FES)

 

20.05-25.05.2019 „Die Kriminalisierung der Rechtschaffenheit. Dimensionen der Kriminalisierungsprozesse von Julian Assange, Chelsea (Bradley) Manning und Edward Snowden“. Vortrag im Rahmen des IAPSS World Kongresses in Madrid (Spanien), organisiert von der International Association for Political Science Students (IAPSS) und der Fakultät für Soziologie der Universität Complutense Madrid.

 

28.11.-29.11.2017 „Tod des Landmannes oder seine politische Transformation?“ Vortrag im Rahmen des Kongresses “Glaube und Vertreibung” als Teil des Forschungsprojekts „Integral missiology and the human flourisching of internally displaced persons in Colombia“, organisiert von der Fundación Universitaria Seminario Bíblico de Colombia.

28.11-29.11.2017 „Die Negierung eines „Ichs“. Der Fall der kolumbianischen Nasa Indianer.” Vortrag im Rahmen des Kongresses “Glaube und Vertreibung” als Teil des Forschungsprojekts „Integral missiology and the human flourisching of internally displaced persons in Colombia“, organisiert von der Fundación Universitaria Seminario Bíblico de Colombia.

28.11-29.11.2017 „Elemente der Identität eines Landmannes: Fallstudien.“ Vortrag im Rahmen des Kongresses “Glaube und Vertreibung” als Teil des Forschungsprojekts „Integral missiology and the human flourisching of internally displaced persons in Colombia“, organisiert von der Fundación Universitaria Seminario Bíblico de Colombia. 

 

Publikationen

Rojas Seguro, Duberney (2018). Funktionelles Konzept der Politik: Die "Leitung" als politische Aktivität. In: Kirche, Politik und Vertreibung. Leitfaden für Professionelle. Veröffentlichungen des Seminario Bíblico de Colombia. (S. 43-62)

Rojas Seguro, Duberney (2018). Lehrbuch: Turnier Friedensvermittler: Ein Vorschlag zur Entwicklung von Fähigkeiten in konfliktreichen Umgebungen. Veröffentlichungen des Seminario Bíblico de Colombia. 

Rojas Seguro, Duberney (2018). Lektion 3: Die Politik: Eine Einführung in ihre grundlegenden Elemente. In: Kirche, Politik und Vertreibung. Lehrplan für Personen in Situationen der Vertreibung. Veröffentlichungen des Seminario Bíblico de Colombia. (S. 39-49) 

Rojas Seguro, Duberney (2014). Die soziale Abweichung: Ein flüssiges Phänomen. Master Angewandte Soziologie: Soziale Probleme. Universität Complutense, Madrid.

Rojas Seguro, Duberney (2006). Bewaffnete und unbewaffnete Zivilgesellschaft und ihr Potential in der Dynamik des bewaffneten Konflikts in Medellín 1985-2005. Spezialisation in politischen Studien. Universität Pontificia Bolivariana, Medellín, Kolumbien.

Rojas Seguro, Duberney (2006). Learning to resolve conflicts. In: Footsteps 68. Tearfund Organization.

Rojas Seguro, Duberney (2002). Vallejuelos: Zum Weinen, oder Bewundern? Magister in Soziologie. Universität Antioquia, Medellín, Kolumbien.

Sonstige wissenschaftliche Aktivitäten/Mitgliedschaften

  • Mitgliedschaft im Forschungsprojekt  „Integral missiology and the human flourisching of internally displaced persons in Colombia“  Fundación Universitaria Seminario Bíblico de Colombia (FUSBC) 2016-2019.
  • Zentrum für Graduiertenstudien (ZGS)