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Tagungsbericht „Carl Einstein and the Avant-Garde“, Kolloquium der Carl-Einstein-Gesellschaft / Société-Carl-Einstein der Queen's University, Belfast und Goldsmiths, University of London am Institute of Germanic & Romance Studies, University of London, 15. – 17. September 2010

Das Institute für Germanic & Romance Studies (IGRS) der University of London

 

Alle vier bis fünf Jahre veranstaltet die Carl-Einstein-Gesellschaft / Société-Carl-Einstein eine internationale Tagung und Mitgliederversammlung. Schon durch diese Konstellation wird die herausragende Bedeutung der Tagung für mein Promotionsprojekt deutlich: Es war für mich die einzige Möglichkeit, während meiner Promotionszeit an einer Tagung und Mitgliederversammlung der Carl-Einstein-Gesellschaft teilzunehmen und mein Dissertationsprojekt zur Poetik Carl Einsteins dem Fachpublikum vorstellen zu können. Darüber hinaus war diese Tagung auch im Hinblick auf akademisches „Networking“ von großer Bedeutung, konnte ich dort doch einen Großteil der Einstein-Forscher persönlich kennen lernen.

Dieser Konstellation entsprechend habe ich auch meinen Vortrag „Das Transvisuelle. Carl Einsteins Programm einer ‚esthétique expérimentale‘“ gestaltet, in dem ich nicht etwa ein bestimmtes Detailphänomen vorgestellt habe, sondern die Gelegenheit nutze, die zentralen Thesen meines Dissertationsprojektes dem versammelten Fachpublikum zur Diskussion zu stellen. Die thematische Ausrichtung des diesjährigen Kolloquium, „Carl Einstein and the Avant-Garde“ erwies sich dabei als besonders geeigneter Diskussionskontext für meine Arbeit. Einsteins experimentelle Ästhetik des Transvisuellen lässt sich anhand der poetologischen Kurzformel der „esthétique expérimentale“ in Abgrenzung und im Vergleich zu anderen Schreibprogrammen der Historischen Avantgarden, wie etwa der „écriture automatique“ des Surrealismus oder der „parole in libertá“ des Futurismus, darstellen und untersuchen.

Durch diesen inhaltlichen Fokus konnte ich von der Tagung mit insgesamt 19 Vorträgen von TeilnehmerInnen aus neun Ländern ungemein viele Anregungen mitnehmen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Zwar war ich der einzige Doktorand auf der Tagung, doch war auf der Londoner Konferenz auch eine hohe Zahl junger WissenschaftlerInnen vertreten. So konnte ich zahlreiche WissenschaftlerInnen kennen lernen, die bisher noch nicht zu Einstein publiziert haben, aber auch an größeren Forschungsprojekten zu Carl Einstein arbeiten. Zudem zeichnete sich auf der Konferenz ab, dass sich zunehmend auch KunstwissenschaftlerInnen der Erforschung von Carl Einstein widmen. Diese Neuorientierung ist für meinen Arbeitskontext von großer Bedeutung, da meine Arbeit aus intermedialer Perspektive Transgressionsphänomene zwischen Kunst und Literatur untersuchen wird.

Auch im Anschluss an meinen Vortrag habe ich in der Diskussion und in daran anschließenden Gesprächen zahlreiche Hinweise für die weitere Arbeit erhalten. Als ganz besonders wichtig würde ich den „Networking“-Aspekt beurteilen: die wichtigsten Einstein-Forscher persönlich kennengelernt zu haben, dürfte für die weitere Arbeit am meinem Promotionsprojekt einen sehr langfristigen Nutzen darstellen. Ein nicht uninteressanter Nebenaspekt der Tagung war im Übrigen, dass es sich um eine dreisprachige Tagung handelte und damit das Prädikat „international“ wahrlich verdient hatte.