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Tagungsbericht zur 9. Erlanger Graduiertenkonferenz „Kritische Perspektiven: ‚Turns’, Trends und Theorien“ vom 20. bis 22. November 2009

sowie zur Gründungsfeier des Frankfurt Center for Postcolonial Studies am 23.11.2009

 

von Antonia Schmid

 

 

Die internationale und interdisziplinäre Tagung an der Friedrich-Alexander-Universität beeindruckte zuerst durch die schiere Menge der Referierenden: Ungefähr 100 Vorträge aus den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften waren in jeweils 4 parallel laufenden Panels organisiert, von denen immer eines auf Englisch abgehalten wurde. Obwohl wir mit vier Promovierenden aus Wuppertal präsent waren, liefen wir uns deshalb kaum über den Weg: Für jedes Forschungsinteresse ließ sich ein individueller Ablauf zusammenstellen.


Ich suchte mir vor allem Panels zu Themen, von denen ich mir Überschneidungen zum eigenen Themenkonnex versprach. Schon im und nach dem ersten Panel am Freitagnachmittag, „Ethik und Kultur“, fand ich direkte Anschlussmöglichkeiten zu zwei Promovierenden, die ebenfalls Filme als Forschungsgegenstand gewählt haben, und konnte aktiv mitdiskutieren. Diese beiden hörten sich am Sonntag auch meinen Vortrag an und luden mich daraufhin zu einem Workshop ein, der gerade in Planung ist. Im zweiten Panel am Freitag, „Media Discourses, Media Trends“, hörte ich Referierende aus England, Belgien und Japan; das Panel meines Vortrags am Sonntagvormittag war ebenfalls auf Englisch und versammelte Referierende aus Kanada, Bolivien und Indien. Die theoretische Nähe ließ dabei alle geographischen Distanzen obsolet werden.

Von einigen Vorträgen war ich zwar etwas enttäuscht, da sie nicht einhielten, was ich mir von den Titeln her erhofft hatte. Es gab aber zahlreiche, die für mich inspirierend oder sogar klärend für meine eigene Forschungsarbeit waren, so wie ich zu mehreren der betreffenden Vortragenden persönliche Kontakte herstellen konnte. Besonders in Bezug auf den von mir angestrebten Versuch, Paradigmen der Kritischen Theorie mit jüngeren, dem „Iconic“ oder „Pictorial turn“ bzw. dem (Post-) Strukturalismus assoziierten Perspektiven zu verbinden, war die Tagung sehr gewinnbringend.


Dazu trugen auch die drei Hauptvorträge bei. Der erste Abend wurde mit einer key note von Prof. Dr. Doris Bachmann-Medick beendet, die über „,Turns‘ und ,Re-Turns‘ in den Kulturwissenschaften“ sprach. Dieser wissenschaftstheoretische Überblick sollte in den folgenden Tagen immer wieder als Ordnungsrahmen für das Gehörte dienen. Samstagmittag versuchte eine Podiumsdiskussion sich wissenschaftlichen Trends aus Sicht von Verlagen und wissenschaftlich Publizierender zu nähern, während der Abendvortrag von Prof. Dr. Sabine Broeck Gender Studies und Postcolonial Studies zusammenbrachte. Prof. Dr. Rainer Winter sprach am Sonntag über „transnationale Öffentlichkeiten“.


Mein eigener Vortrag stieß trotz der suboptimalen Zeit  – Sonntagvormittag nach der Konferenzparty – auf großes Interesse. Ich stellte meinen theoretischen Ansatz und mein neues Methodenkonzept zum ersten Mal vor und bekam sehr positives Feedback. Nicht nur schloss sich daran die Einladung zu einer thematisch angelagerten Tagung an, sondern ich bin auch zur „Critical Inquiries“-Tagung in Chicago, die sich qualitativer Forschung widmet, im Mai nächsten Jahres eingeladen worden.


Insgesamt war die Konferenz für mich also sehr erfolgreich, da ich nicht nur meine eigene Arbeit kontextualisieren  und einige für mich wichtige konzeptuelle und theoretische Fragen klären konnte, sondern auch das „Networking“ meine Hoffnungen übertraf.

Auch die Gründungsfeier des Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies in Frankfurt am Main, an der ich am Montag auf dem Weg zurück nach Wuppertal noch teilnahm, war diesbezüglich sehr produktiv. Insbesondere anhand des Vortrags von Gayatri C. Spivak, mit deren Schriften ich ebenfalls arbeite, gewannen einige konzeptuelle Fragen meiner Dissertation an Kontur.


Vielen Dank an das ZGS für die Förderung der Tagungsreise!