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Zwischen Molukkenibis und Silberkopfmöwe:

Ein Konferenzbericht zur ICA 2010 Sydney (23.-27.08.2010)

Molukkenibis, Sydney Convention Center und Silberkopfmöwe im Darling Harbour

Im August dieses Jahres fand der 20ste International Congress on Acoustics der International Commission for Acoustics (ICA) statt. Tagungsort des alle drei Jahre stattfindenden Kongresses war Sydney, die Hauptstadt von New South Wales im Süd-Osten Australiens.

Der 1951 gegründeten ICA gehören eine Vielzahl akustischer Gesellschaften und Verbände aus den unterschiedlichsten Ländern an, wie auch die Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA). So unterschiedlich wie die Mitglieder der ICA, so vielfältig gestaltete sich auch das Themenspektrum der in Sydney angebotenen Sessions: Von der Bioakustik über Lärmbekämpfung bis hin zur Quantenakustik waren Beiträge zu allen Bereichen der Akustik vertreten.

 

Seit Januar 2008 bin ich an der Bergischen Universität im Fachbereich E als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt. Neben meinen Tätigkeiten für den Fachbereich und in der Lehre arbeite ich im Rahmen meiner Dissertation an der Erforschung und Entwicklung von Systemen zur aktiven Schallunterdrückung: Active Noise Control (ANC). Im Labor für Elektroakustik arbeiten wir an einem weltweit wohl einzigartigen System zur Auslöschung von Lärm innerhalb eines bestimmten Bereiches. Australien ist eines der Länder, in denen die Forschung im Active Noise Control sehr stark vertreten ist. So stellte der diesjährige internationale Kongress der ICA eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, mit Forschern und Entwicklern aus dem gleichen Interessengebiet zusammenzutreffen und die Wahrnehmung der Forschungstätigkeiten an der Uni Wuppertal zu verbessern.

ANC beruht auf der Auslöschung von unerwünschtem Schall durch Gegenschall. Dabei bildet man den Störschall nach und „subtrahiert“ die Nachbildung vom Lärm. Je besser die Nachbildung ist, desto wirksamer wird der Lärm reduziert. Systembedingt arbeitet ANC besonders gut für tiefe Frequenzen, bei denen passive Maßnahmen oft versagen oder zu aufwendig sind.

 

Mein Vortrag war für die ANC-Session am Freitagmorgen vorgesehen. Kurz vor mir trug eine junge Doktorandin aus Adelaide, Australien vor. Erstaunlicherweise beschäftigte sich ihre Präsentation mit ganz ähnlichen Fragestellungen wie die meine, obwohl die ANC-Systeme aus Adelaide und Wuppertal recht unterschiedlich sind und andere Ziele verfolgen. Trotz einer nur mittelmäßig besuchten ANC-Session, gab es gute Fragen und interessante Anmerkungen im Anschluss an meine Präsentation. Auch später in der Kaffeepause wurde ich noch auf den Vortrag angesprochen und man war an Einzelheiten zu unserem ANC-System und der eingesetzten Technik interessiert.

Die Kaffeepause bedarf einer besonderen Erwähnung, denn wie anscheinend überall in Australien, wurde auch bei der Konferenz sehr auf ein gutes Kaffeeangebot geachtet. An mehreren Stellen des Konferenzzentrums waren jeweils zwei bis drei Leute damit beschäftigt, kostenlos frischen Kaffee, Cappuccino und Café Latte zuzubereiten. Das Angebot traf den Geschmack der Teilnehmer ebenso wie die Lage des Tagungsortes im Darling-Harbour. So konnte man in der Mittagspause zusammen mit Silberkopfmöwe und Molukkenibis die sonnige Aussicht auf den Hafen und die Skyline des nahe gelegenen Stadtzentrums genießen.

Ein Kritikpunkt, der nicht den Organisatoren, sondern den Teilnehmern zuzuschreiben ist, war das relativ häufige Nichterscheinen der Vortragenden. So kam es leider nicht selten vor, dass man sich beeilte, rechtzeitig zu einem Vortrag zu erscheinen, der dann ausfiel. Berücksichtigt man, dass eine Vielzahl der Kongressteilnehmer eine sehr lange Anreise auf sich genommen hatte, wäre eine rechtzeitige Absage eigentlich selbstverständlich gewesen.

 

Sehr interessant waren dafür die Plenarvorträge und Distinguished Lectures zu verschiedenen Themenbereichen der Akustik. Beispielsweise „Learning the sound system of Japanese: What does it tell us about language acquisition?“ oder „The acoustics of wind instruments -- and of the musicians who play them“. Überaus beeindruckend war der Auftritt von Leo L. Beranek (Jahrgang 1914) und dessen anschließender Vortrag „Strength G, Reverberation Time RT, Listener Envelopment LEV, and Measurements Needed in Concert Halls“.

Für mich persönlich ist diese Konferenzreise sehr erfolgreich verlaufen. Neben neuen Kontakten gab es eine Vielzahl an interessanten Beiträgen und Einblicken in die Forschungstätigkeiten aus aller Welt, insbesondere natürlich aus Australien und Asien. Das gute Klima auf der ICA 2010 hat mir sehr zugesprochen und ich hoffe, dass sich in Zukunft weitere Gelegenheiten dieser Art ergeben werden.