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Bericht vom Intensive Graduate Seminar "Narrative Interactions: Stories, Identities and Voices" (01.-03.10.2010), Sagadi (Estland)

 

von Julian Hanebeck

 

 

Im Rahmen des Nordic Network of Narrative Studies finden jährlich Konferenzen und Doktoranden-Workshops statt, an denen auch international renommierte Narratologen wie Prof. Dr. Marie Laure-Ryan teilnehmen. Anfang Oktober 2010 bot sich mir während des Workshops „Narrative Interactions: Stories, Identities and Voices“ in Sagadi in Estland zum einen die Möglichkeit den theoretischen Unterbau meines Dissertationsprojektes internationalen Fachleuten vorzustellen und zum anderen die Chance, mein Verständnis der narratologischen Theorie der Stimme zu vertiefen und neue Impulse für meine Forschung und Lehre zu erhalten.

Insbesondere das von Dr. Jan Alber (Freiburg) unterrichtete Modul „Unnatural Voices and Impossible Identities“ hatte für mein Dissertationsthema „Impossible Narration: The Hermeneutical Experience of Metaleptical Transgressions in Laurence Sterne’s Tristram Shandy“ hohe Relevanz: Da sich mein Dissertationsprojekt eingehend mit ‚unmöglicher‘ Erzählung beschäftigt, habe ich dabei nicht nur wichtige Anregungen für mein Theoriekapitel erhalten, sondern konnte auch einige meiner zentralen Thesen zur Diskussion stellen. Auch das Modul von Marina Grishakova (Tartu), das besonders Bakhtins Theorie in den Fokus rückte, erwies sich als besonders hilfreich. Hier haben alle Doktoranden in der Diskussion und in daran anschließenden Gesprächen zahlreiche Hinweise für die weitere Arbeit erhalten.

Darüber hinaus war diese Tagung auch im Hinblick auf akademisches „Networking“ von großer Bedeutung, konnte ich dort doch Professoren wie internationale Promovierende persönlich kennen lernen, die sich mit narratologischen Forschungsprojekten beschäftigen; auch dies dürfte für die weitere Arbeit an meinem Promotionsprojekt einen sehr langfristigen Nutzen darstellen.

Sagadi ist ein kleines malerisches Dorf in der estnischen Gemeinde Vihula im Kreis Lääne-Viru am Rande des Nationalparks Lahemaa. Der Gutshof Sagadi, in dem der Workshop stattfand, gehörte übrigens lange Zeit zum Besitz des deutsch-baltischen Adels. Dies wurde mir erst klar, als ich während der Besichtigung des Gutes von den anderen Teilnehmern aufgefordert wurde, die deutschen Titel in der Bibliothek zu übersetzen. Nicht zuletzt die Schönheit der Landschaft in Sagadi hat dazu geführt, dass Tarmo Mutso, Direktor des Enterprise Estonia (EAS) dem Gutshof den Titel “Estonia’s most magnificent vacation” verliehen hat. Die Reise war also nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht ein großer Gewinn – ich bedanke mich herzlich für die Unterstützung durch das ZGS.