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7th Annual DANASWAC Conference (18.-20.08.2010) in Basel (Schweiz)

 

von Romana Dolic

 

Gruppenbild der Teilnehmer

 

Vom 18. bis 20.08.2010 fand die DANASWAC Tagung in Basel (Schweiz) statt, an der ich mich mit einem Vortrag mit dem Titel „Utilization of Social Services: Reconstruction and Analysis of (Co)-Production Processes in Interaction of Service-Users and Professionals” beteiligt habe. DANASWAC (Discourse and Narrative Approaches to Social Work and Counselling) stellt ein internationales Netzwerk renommierter Forscher/innen dar, die Interaktionsanalysen im Kontext der Sozialen Arbeit unter Rückgriff auf konversations-, narrations- und diskursanalytische sowie ethnographische Forschungsverfahren betreiben (http://www.uta.fi/laitokset/sostyo/danaswac/). Es handelt sich um eine relativ kleine Forschergruppe, wobei sowohl Mitglieder aus unterschiedlichen europäischen Ländern (Belgien, Niederlande, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Slowenien, Schweiz) als auch aus den Vereinigten Staaten und Kanada vertreten sind. Seit 7 Jahren wird eine alljährliche Tagung des DANASWAC-Netzwerkes (immer an einem anderen Ort) organisiert, wobei die Teilnehmerzahl auf maximal 25 begrenzt ist und damit der Zugang von neuen Teilnehmer/innen stark reguliert wird. Darüber hinaus werden gemeinsame Publikationen veröffentlicht, Arbeitsgruppen auf internationalen Konferenzen und Symposien organisiert und ein internationales Forschungsprojekt geplant. 

Bei der diesjährigen Tagung in Basel sind insgesamt 12 Vorträge referiert worden, wobei diese entweder der Rubrik „methodological panel“ mit dem Fokus auf methodologische / methodische Aspekte oder „data-based-session“ zugeordnet wurden, in der Daten präsentiert und gemeinsam interpretiert werden. Alle Vorträge wurden ungefähr 14 Tage vor Konferenzbeginn an alle Teilnehmer/innen per E-Mail gesandt, so dass eine intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Beiträgen im Vorfeld bereits möglich war. Jedem Vortragenden stand 1 Stunde zur Verfügung, wobei nach einer kurzen Präsentation zunächst ein vorher festgelegter „discussant“ den Vortrag kommentiert und damit die anschließende Diskussion eingeleitet und vor-strukturiert hat. Das besondere Charakteristikum der Tagung besteht generell darin, dass nicht vornehmlich Vorträge aus dem Kontext abgeschlossener Forschungsprojekte vorgestellt werden, sondern auch Beiträge, die eher den „work-in-progress“ dokumentieren und ein spezifisches Problem (methodologischer Art oder in der Datenauswertung) darstellen. Es können ebenso Artikel oder Forschungsanträge, an denen aktuell gearbeitet wird und die sich in einem frühen Stadium befinden, zur Diskussion gestellt werden.

Im Rahmen meines Vortrages habe ich sowohl das zentrale Forschungskonzept meiner empirischen Studie  „Nutzungsprozesse sozialer Dienstleistungen als Ko-Produktionsprozesse“ als auch eine ausgearbeitete methodologisch reflexive Argumentation zur Leistungsfähigkeit der Konversationsanalyse für die empirische Aufschlüsselung von Nutzungsprozessen vorgestellt. Zudem wurden anschließend einige Gesprächsdaten gemeinsam mit den Teilnehmer/innen interpretiert und meine eigenen analytischen Schlussfolgerungen diskutiert.

Zum Hintergrund des Vortrages: Im Fokus meines Dissertationsprojektes steht die Analyse der Prozesse der Nutzung personenbezogener sozialer Dienstleistungen durch die diese in Anspruch nehmenden Personen. Dabei wird den Fragen nachgegangen, wie Nutzer/innen sozialer Dienstleistungen mit den assistierenden und normierenden Aspekten des Dienstleistungsangebotes umgehen, sich die aus ihrer Sicht hilfreichen und damit „nutzbringenden“ Aspekte der professionell erbrachten Tätigkeit in den Prozessen der Nutzung aktiv und produktiv aneignen und auf welche Weise das „ko-produktive“ professionelle Handeln in den Selbstproduktionsprozess der Nutzer/innen eingeht. Vor dem Hintergrund der Konzipierung von Nutzungsprozessen als ko-produktiven Interaktionsprozessen unter Rekurs auf den neueren dienstleistungstheoretischen Ansatz in der Sozialen Arbeit werden natürlich ablaufende Gespräche von Nutzer/innen und Professionellen in einem institutionellen Setting der Kinder- und Jugendhilfe (hier: Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung, §35 KJHG) erhoben und konversationsanalytisch ausgewertet.

Mit dem Vortrag wurde sowohl das Forschungskonzept mit seinen theoretischen Grundlagen als auch das Forschungsdesign des Dissertationsprojektes in einem internationalen Kontext zur Diskussion gestellt. Aufgrund der sehr spezifischen Organisation der Tagung (kleiner Teilnehmerkreis, Lesen des Vortrages vor Konferenzbeginn etc.) konnte von einer sehr intensiven Diskussion und  qualitativ anspruchsvollen Auseinandersetzung mit meinem Dissertationsgegenstand ausgegangen werden. Diese Erwartung hat sich erfüllt, da sich die Rückmeldungen der Teilnehmer/innen auf den theoretischen Hintergrund meiner Studie (hier: Dienstleistungstheorie) und zwar in seinen Details konzentrierten und eine intensive und produktive Auseinandersetzung mit den von mir präsentierten Gesprächsdaten stattgefunden hat. Die Hinweise der Teilnehmer/innen bezüglich des Umgangs mit der Komplexität des Datenmaterials und den Möglichkeiten der Rückbindung der Forschungsergebnisse an den theoretischen Referenzrahmen der Studie waren sehr hilfreich und werden im weiteren Forschungsprozess und der Arbeit an der Dissertation berücksichtigt.