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Bericht zum Berliner Methodentreffen vom 15./16. Juli 2011

Closing Lecture von Prof. Adele Clarke beim Berliner Methodentreffen

Auch bei der siebten Auflage dieser Veranstaltung überstieg die Zahl der Teilnahmewilligen bei weitem die Zahl der freien Plätze (400). So kam es, dass 600 Interessierte leider nicht am größten qualitativen Methodentreffen Deutschlands teilnehmen konnten. Die Renommiertheit der Tagung brachte namhafte ExpertInnen und angehende NachwuchswissenschaftlerInnen aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen. Zudem bot das Berliner Methodentreffen wieder ein Forum zum Austausch mit Verlagen, Softwareherstellern und weiteren Dienstleistern im Forschungsbereich.

Neu in diesem Jahr war die erstmalige Durchführung einer sogenannten „Closing lecture“, die durch die berühmte US-amerikanische Forscherin Prof. Adele Clarke gehalten wurde. Sie gab eine Einführung in ihre Erweiterung der Grounded Theory, der Situational Analysis, und machte deutlich, inwiefern ihre Methode der Komplexität realer Begebenheiten stärker Rechnung trage, als das bisher in der Grounded Theory der Fall gewesen sei. Auch wenn leider schon ein Großteil der TeilnehmerInnen den Heimweg angetreten hatten, hoffe ich, dass die „Closing Lecture“ ebenso zu einem festen Programmpunkt beim Berliner Methodentreffen wird, wie die Posterpräsentationen, Forschungswerkstätten und Workshops.

Die Tagung startete nach der Begrüßung durch die Veranstalter des „Instituts für qualitative Sozialforschung“ der FU Berlin mit einem Einführungsvortrag zum Verhältnis von qualitativer Sozialforschung und Pragmatismus durch Prof. Rainer Diaz-Bone. Im Anschluss fanden parallel 15 vierstündige Forschungswerkstätten zu den etablierten Verfahren der qualitativen Sozialforschung statt.

Ich habe an der Forschungswerkstatt „Ethnographische Forschungsdesigns“ unter der Leitung von Prof. Ronald Hitzler und Prof. Michaela Pfadenhauer teilgenommen. Dabei handelte es sich um eine besondere Werkstatt, da nicht – wie sonst häufig üblich – an bereits erhobenem Datenmaterial der Teilnehmenden gearbeitet wurde, sondern das  Forschungsdesign unter die Lupe genommen wurde. Dies empfand ich als besonders ertragreich, da „ein gutes Forschungsdesign zwar noch kein gutes Projekt garantiert, ein schlechtes aber mit Sicherheit ein schlechtes Ergebnis nach sich zieht “, wie Ronald Hitzler gleich zu Beginn deutlich machte. Erfreulicherweise gehörte ich zu den vieren, deren Forschungsdesign besprochen wurde. Hier habe ich wertvolle Anregungen für eine Optimierung meines Forschungsprojekts erhalten.

Abends gab es dann die Möglichkeit bei „Meet the editor“ mit den Verlagen ins Gespräch zu kommen oder auch nur ein Gläschen Sekt zu trinken. Dieses Angebot nutze ich allerdings nicht, da ich stattdessen einen Interviewtermin für meine Dissertation wahrnehmen konnte.

Der nächste Tag begann mit einem Symposium zum Thema „‘All is data‘. Daten in der qualitativen Forschung“. Im Anschluss wurden die 21 im Vorfeld ausgewählten Poster vorgestellt. Mein Poster erfreute sich regem Interesse, was wahrscheinlich am Thema und Design lag „Paare in der Swingerszene – Erste Einblicke in die Rekonstruktion dieser kleinen Lebenswelt“. Ich habe viele interessante Gespräche führen können und neue Kontakte geknüpft. Schade nur, dass die ProfessorInnen den Postern größtenteils keine Beachtung schenkten, sondern die Mittagspause lieber verlängerten. Trotzdem musste ich so lange immer wieder neugierige Fragen zur Swingerszene beantworten, dass ich den nachfolgenden Workshop verpasste. Bei den wiederum 19 parallel stattfinden Workshops standen allgemeinere Fragen zu qualitativen Forschungsmethoden wie z.B. der Triangulation im Mittelpunkt.

Im Anschluss daran fand dann die bereits erwähnte „Closing Lecture“ statt, womit zwei intensive Arbeitstage zuende gingen. Für mich allerdings stand noch ein weiterer Interviewtermin auf dem Programm…

Ich danke dem ZGS für die finanzielle Unterstützung dieser Tagungsreise und kann das Berliner Methodentreffen nur weiterempfehlen.

Aufsteller der Berliner Methodentreffen
Posterpräsentationen