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Tagungsbericht Communicating War in the Media and Arts Conference University of Liverpool, 28. Januar 2011

von Matthias Bandtel

Die eintägige Konferenz Communicating War in the Media and Arts wurde organisiert vom Department of Communication & Media an der University of Liverpool. Internationale Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichster Fachdisziplinen – von Soziologie und Politik- über Medien- und Kommunikations- bis zu Literatur- und Kunstwissenschaft –, die sich in ihren Arbeiten mit Aspekten der Verarbeitung des Krieges auseinandersetzen, waren in das historische lecture theater der medical Institution geladen.

Tagungsraum in der Medical Institution

Gerahmt wurde die Konferenz durch die Eröffnungs- und Schlussrede Piers Robinsons (University of Manchester), der einen Ruf als einer der führenden Forscher auf dem Feld politischer Kommunikation genießt. Insbesondere seine Arbeiten zum „CNN-Effekt“ (2002a, 2002b) müssen mittlerweile den Standardwerken für die Auseinandersetzung mit Kriegs- und Krisenkommunikation zugerechnet werden.

In seiner Einführung skizzierte Robinson aktuelle Problemfelder der Untersuchung medialer Kriegspräsentationen, denen zukünftige Forschungsvorhaben besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen sollten. Erstens verdiene die Frage Beachtung, inwiefern sich das „traditionelle“ Verhältnis von Medien und Politik durch Entwicklungen der Medienlandschaft verändere. Während die massenmediale Berichterstattung tendenziell die Regierungslinie indiziere (Bennett 1990), könnten neue Medien gegen strategische Narrative opponieren. Zweitens müssten wechselseitige Einflüsse von transformierendem Mediensystems und sich wandelnder Öffentlichkeit beleuchtet werden. Denn, drittens, hätten trotz des pluralisierten Mediensystems und fragmentierter Öffentlichkeiten strategische Narrative nicht an Relevanz eingebüßt. Viertens sollten angesichts post-nationalstaatlicher Tendenzen in den Sozialwissenschaften die Effekte von nationaler Identität und Patriotismus auf die mediale Kriegsberichterstattung keineswegs vernachlässigt werden. Abschließend wies Robinson, fünftens, darauf hin, dass die Staatengemeinschaft in jüngerer Zeit eine Zunahme und Komplexitätssteigerung militärischer Konflikte verzeichne. Eine drängende Herausforderung der Kriegs- und Krisenkommunikationsforschung bestehe daher in der Frage, inwiefern die mediale Berichterstattung diesen Entwicklungen Rechnung trage.

Ein breites Feld also, das Robinson den Rednern eröffnete. Angesetzt waren insgesamt acht Panels, von denen jeweils zwei parallel stattfanden. Panel 1A „Framing Protest“ wandte sich journalistischen und filmischen Rahmungen von Volksaufständen und der Anti-Kriegs-Bewegung zu. Panel 1B „War and Art“ widmete sich der Verarbeitung des Krieges in den schönen Künsten. Panel 2A „War in the Middle East“ thematisierte die Berichterstattung über Konflikte im Westjordanland, dem Gaza-Streifen und im Libanon. Panel 2B „Writing War“ beinhaltete Studien zur Präsentation des Krieges in Presse, Militärmemoiren und feministischer Literatur. Panel 3A „Problematising Depictions of War“ analysierte die Darstellungen feindlicher Kämpfer, privater Söldner und von Kriegsopfern in den Medien. Panel 3B „Imaging War“ stellte Arbeiten vor, die visuelle Kriegsdarstellungen in Videospielen und im Photojournalismus untersuchten. Panel 4A „Reporting War“ fokussierte auf die problematischen Produktionsbedingungen für Kriegsreporter in Krisenregionen. Panel 4B „Filming War“ stellte abschließend auf das Genre des Kriegsfilmes ab.

Die Abstracts der Vorträge können über die Konferenzhomepage bezogen werden.

Verabschiedung durch Piers Robinson (M.)

Den Ausklang der Konferenz stellte die Vorstellung der aktuellen Veröffentlichung Piers Robinsons und Kollegen (2011), „Pockets of Resistance“ (Manchester University Press), in informeller Atmosphäre dar. Sie bildete den gelungenen Abschluss einer durchweg inspirierenden Konferenz, die insbesondere die Relevanz und Bandbreite des nach wie vor hochaktuellen Feldes der Kriegs- und Krisenkommunikationsforschung deutlich werden ließ.

Dass trotz des dichten Programmes genügend Raum für interessante Gespräche in kollegialer Atmosphäre blieb, ist der professionellen Organisation durch Dr. Katy Parry und Dr. Katia Balabanova geschuldet, bei denen ich mich aufrichtig bedanken möchte. Ferner gilt mein Dank dem Zentrum für Graduiertenstudien (ZGS) an der Bergischen Universität Wuppertal, das durch die Bezuschussung der Reisekosten meine Teilnahme an der Tagung erst möglich gemacht hat.