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Akademische Safari inSüdafrika: Drei Doktoranden der Politikwissenschaft zu Gast an den Universitäten Stellenbosch und Kapstadt

von Jens Hiller, Daniel Lorberg und Holger Janusch

Campus der Universität Kapstadt

Trotz der wirtschaftlichen und politischen Fortschritte seit dem Ende der Apartheid ist Südafrika weiterhin ein Land, das von sozialen Disparitäten geprägt wird. Armut und Reichtum lassen sich hier unverblümt in ihren Extremen eng beieinander und hautnah erfahren. Zugleich zählt Südafrika zu den aufstrebenden Schwellenländern und spielt eine entscheidende Rolle als regionaler Hegemon in der internationalen Politik. Um über aktuelle Forschungsvorhaben, die sowohl Südafrika als auch die EU betreffen, zu diskutieren, reisten die Doktoranden der Politikwissenschaft Jens Hiller, Daniel Lorberg und Holger Janusch an die Universitäten Stellenbosch und Kapstadt. Der Campus der Universität Stellenbosch fügt sich idyllisch in die Weinberge nahe Kapstadt ein und lädt zum freien Denken ein. Die Universität Kapstadt liegt nur ein halbe Stunde entfernt am Fuße des Tafelbergs und bietet eine Sicht bis zu den Bergen von Stellenbosch. Während des dreiwöchigen Forschungsaufenthalts trafen sich die Doktoranden mit Kolleginnen und Kollegen beider südafrikanischen Universitäten, um die Kultur in Forschung und Lehre des anderen Landes besser kennenzulernen. Im Vordergrund der Forschungsreise stand die Präsentation der Dissertationsprojekte.

Den Auftakt machte Jens Hiller mit einer Präsentation zu der Debatte über die Aktualität und Relevanz der Just War Theory im 21. Jahrhundert. Dabei zeichnete er nicht nur den historischen Entstehungsprozess der Theorie nach, sondern zeigte anhand der Institutionalisierung der Theorie im 20. Jahrhundert ihren Nutzen. Schlussendlich wurden Herausforderungen an die Theorie sowie an die institutionalisierten Dispositive für momentane gewalttätige Konflikte formuliert und zusammen mit den südafrikanischen Kolleginnen und Kollegen diskutiert. In der Präsentation von Daniel Lorberg stand die Forschungsfrage im Vordergrund, inwiefern internationale Wirtschaftsabkommen, die zu tiefgreifenden Veränderungen von nationalen Gesetzen und deren Implementierung in unterschiedlichen Politikfeldern führen, die demokratischen Normen und Institutionen in einem Land gefährden können. Daniel Lorberg stellte dabei vor allem die Problematik für Entwicklungsländer in den Vordergrund seiner Untersuchung, da diese in Verhandlungen mit Industrieländern wie den Vereinigten Staaten besonders hohe Konzessionen in Themenbereichen wie Arbeitsstandards oder Rechte geistigen Eigentums im Gegenzug für ein Handelsabkommen eingestehen müssen. Die Arbeit von Holger Janusch beschäftigt sich mit den möglichen Ursachen, die zum Scheitern oder erfolgreichen Abschluss internationaler Verhandlungen führen können. Im Vordergrund steht dabei die Entstehung sozialer Konflikte zwischen den Verhandlungsführern auf internationaler wie nationaler Ebene. Um die aufgestellten Hypothesen zum Scheitern internationaler Verhandlungen empirisch zu prüfen, untersucht der Doktorand der BUW mit Hilfe einer Triangulation vergleichender und qualitativer Methoden internationale Verhandlungen der Vereinigten Staaten über Handelsabkommen, darunter auch viele Abkommen mit Entwicklungsländern.

Neben der Präsentation und kritischen Diskussion aktueller Forschungsarbeiten der Doktoranden und der Gastgeberinnen und Gastgeber in Südafrika diente der Forschungsaufenthalt auch dem kulturellen Austausch, um mehr über die universitäre Wissenschaft und Lehre des jeweiligen anderen Landes zu lernen. Die Doktoranden trafen sich deshalb zu mehren Gesprächsrunden mit ihren südafrikanischen Kolleginnen und Kollegen, um sich über die Neuerungen, Probleme und Herausforderungen der Hochschulpolitik und aktuellen Studiengänge der Politikwissenschaft auseinanderzusetzen.  Um des Weiteren mehr über die politischen und sozialen Probleme außerhalb des Elfenbeinturms der Wissenschaft zu erfahren, trafen sich die Doktoranden der Politikwissenschaft mit dem derzeitigen und ehemaligen Bürgermeister des Townships Sexwale Tokyo der Stadt Jeffrey’s Bay. Der Bürgermeister Thimothy Meleni berichtet während des Gesprächs von den wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Problemen, aber auch Fortschritten seines Wahlbezirkes.

Weinberge von Stellenbosch
Gastgeber der Universität Kapstadt
Jens Hiller (links)