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Bericht über den Workshop „Die Vielseitigkeit der Phänomenologie“. Im Rahmen des Jahrestreffens des interuniversitären Kooperationsnetzwerks Europhilosophie (Coimbra, Portugal, 17.-18.02.2014)

von Tomas da Costa

Im Jahr 2014 fand das Treffen des interuniversitären Kooperationsnetzwerks Europhilosophie in Coimbra, Portugal, statt. Die Präsentationen wurden auf sieben Workshops aufgeteilt. Zwischen dem 17.-20. Februar hatten Studenten des Masterstudiengangs des Konsortiums Europhilosophie „Deutsche und Französische Philosophie in Europa“ – an dem die Bergische Universität Wuppertal teilnimmt – die Möglichkeit, sich mit den folgenden Themen auseinandersetzen: „Diskurse und Widerstand in der Politik“; „Die Vielseitigkeit der Phänomenologie“; „Philosophie und Geisteswissenschaften: Übereinstimmungen, Aneignungen, Konflikte“; „Die Immanenz und ihre Logik“; „Das Leben und seine Manifestationen“; „Formen der Negativität – Nichts, Leere, Tod“; und „Liebe und ihr Gebrauch“. Die Teilnehmer konnten ihre Vorträge entweder auf Französisch oder Deutsch halten. Im Rahmen des Workshops hat Professor Alexander Schnell der Pariser Universität Sorbonne sein neues Buch En voie du reél präsentiert.


Ziel meiner Präsentation war es, den teilnehmenden Masterstudenten die Bedeutung von Alfred Schütz als Phänomenologe klar zu machen, und zwar durch eine Rekonstruktion der wichtigsten Momente seiner Sozialphilosophie. Am Ende der Präsentation sollte für die Workshop-Teilnehmer deutlich werden, in welchem Verhältnis zum philosophischen Projekt Husserls sein eigenes Denken steht. Denn in Alfred Schützʼ Werk lassen sich drei thematische Darstellungsebenen deutlich erkennen: eine Ebene der Analyse der sinnkonstituierenden Bewusstseinsakte (eine Sinnanalyse im Sinne Edmund Husserls); eine Ebene der Genese der Sozialwelt und der sozialen Person im Handeln (eine Ontologie der Lebenswelt); und eine Ebene der subjektiven Aneignung und Anwendung von Wissen (eine Wissenssoziologie). In jeder Ebene zeichnet sich die Entwicklung seiner Argumentation durch eine raffinierte Kombination von Begriffen und Denkschemata phänomenologischen und sozialtheoretischen Ursprungs aus. Von Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt aus dem Jahre 1932 bis zur 1973 erst posthum veröffentlichten Struktur der Lebenswelt war das Denken Schütz‘ durch diesen Aspekt geprägt. Die Präsentation konzentrierte sich auf Schützʼ Theorie der Konstitution der Lebenswelt, die als theoretische Begründung der pragmatischen Autogenese sozialer Ordnung und daher als wichtige Voraussetzung jeglicher verstehenden Theorie des sozialen Handelns – etwa von Max Weber – zu begreifen ist. Rekonstruiert wurde allerdings auch die Idee von Sozialität als pragmatische Intersubjektivität und die von sozialem Handeln als Ort der Konstitution. Ferner wurde auf Schützʼ transzendentale Analysen der Sinnkonstitution im Bewusstsein zurückgegriffen, um die aus seiner kritischen Auseinandersetzung mit Max Webers Handlungstheorie resultierten Begriffe zu verdeutlichen, die Schütz auf die Klärung der mundanen Mechanismen menschlicher Wirklichkeit anwendet. Sowohl seine Frühphase als auch seine späte, pragmatische Perspektive wurden in diesem Sinne berücksichtigt.
Tagungsorganisation


•    Tobias Klass (Bergische Universität Wuppertal)
•    Markus Wirtz (Universität zu Köln)
•    Alexander Schnell (Université Paris Sorbonne - Paris IV)
•    Karel Novotny (Karlsuniversität Prag)
•    Fernanda Bernardo (Universität Coimbra)
•    Eva Weber-Guskar (Universität Göttingen)
•    Olivier Voirol (Universität Luzern)
•    Maria Luisa Portocarrero Silva (Universität Coimbra)
•    Guillaume  Sibertin - Blanc  (Universität Toulouse II – Le Mirail)
•    Arnaud François (Universität Toulouse II – Le Mirail)


Internetseite:
http://europhilomem.hypotheses.org/1690