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Bericht über das 16. jährliche Treffen der "Society for Phenomenology and Media" (Freiburg, 12.-15.03.2014)

von Tomas da Costa

2014 fand das jährliche Treffen der Society for Phenomenology and Media zum zweiten Mal auf deutschem Boden statt. Mit 21 Sektionen und über 60 Vorträgen war die dieses Jahr vom Husserl-Archiv Freiburg und von der Hochschule Furtwangen organisierte Konferenz die größte der 16-jährigen Geschichte der Gesellschaft für Phänomenologie und Medien. Die Society wurde 1998 vom Prof. Paul Majkut in der philosophischen Fakultät der National University of San Diego, USA, gegründet. In demselben Jahr und Ort fand ihr erstes Treffen auch statt. Neben Freiburg  und San Diego haben auch Universitäten und Hochschulen in Helsinki, Mexiko-Stadt, Puebla (Mexiko) und in verschiedenen Städten in den USA die Konferenz organisiert. Die Society for Phenomenology and Media hat als Ziel, Wissenschaftler zusammenzubringen, die Medienphänomene aus einer phänomenologischen Perspektive betrachten. Das thematische Feld der Gesellschaft umfasst somit die Kognitionswissenschaften bis hin zu Digitalmedien. Die Gesellschaft unterstützt ferner drei laufende Projekte zum Thema „Neue Medien“ („New Media and Narrativity“, „New Media Art and E-Literature“, „Pictures that Speak: Orality, Literacy and Hypertext“) und kooperiert mit dem Lateinamerikanischen Kreis für Phänomenologie. Im Jahr 2015 findet die Konferenz der Society for Phenomenology and Media in Goa, Indien, statt, und damit zum ersten Mal auf asiatischem Boden.
Diese thematische Vielfalt war auch im Freiburger Treffen der Gesellschaft zu spüren. Die Themen der Vorträge reichten von neuen Technologien der Kommunikation bis hin zu Phänomenologie und Ästhetik, graphische Analyse und künstliche Intelligenz. Neue Beiträge zum Denken von Vilém Flusser und von Marshall McLuhan brachten interessante Diskussionen hervor. Im Eröffnungsvortrag rekonstruierte Andreas Ströhl Vilém Flussers Bezug zur Phänomenologie und zur Politik sowie seine Auffassung einer post-politischen Gesellschaft. Raoul Frauenfelder und Miguel Garcia (Furtwangen) haben die Funktion hervorgehoben, die der Körperlichkeit im Denken McLuhans und Flussers zukommt, während Steven Dorrestijn beide Autoren aus einer Foucault‘schen Perspektive analysierte. Die Beiträge von Andreas Beinsteiner (Freiburg) zu Heideggers Konzept von Medialität und von Anne Dymek (Paris), die Filme als „phänomenologische Karten“ zu charakterisieren versuchte, sind aufgrund ihrer Originalität gleichfalls erwähnenswert.
Mit „Maurice Natanson’s idea of phenomenology in literature and its consequences for an understanding of Husserl’s concepts of irreality and reduction“ habe ich im Anschluss an Maurice Natanson die Idee vertreten, dass zwischen einer spezifischen Form der literarischen Erfahrung und der phänomenologischen Beschreibungsart eine fundamentale Verwandtschaft besteht. Im Gegensatz zu Roman Ingardens Projekt einer Phänomenologie der Literatur (Das literarische Kunstwerk) vertritt der ehemalige Promovierende von Alfred Schütz die Auffassung, dass literarische Werke eine phänomenologische Struktur in sich bergen. Für Natanson stellt die Phänomenologie die poetische Essenz der Philosophie dar und ist deshalb auch „in“ der Literatur. Unter „phänomenologischer Reduktion“ versteht er dementsprechend eine Art von Irrealisierung der Wirklichkeit – eine Interpretation, die bereits bei Edmund Husserl zu finden ist, obwohl ohne Bezug auf die literarische Erfahrung. In Husserls Ideen I liest man: „[A]lle transzendental gereinigten ‚Erlebnisse‘ [sind] Irrealitäten (…). Eben diese Irrealitäten erforscht die Phänomenologie (…)“ (HUA3: 6-7). Die Relation zwischen Irrealität und Reduktion scheint bei Husserl zwar bereits vorhanden zu sein, wird allerdings in Natansons Argumentation zugespitzt: „Not the actual, but the fictive is at issue in phenomenology“ (S. 18). In der Präsentation habe ich mich auch bemüht, einen möglichen Zugang zu Husserls „Reduktion“ durch Natansons Interpretation vom phänomenologischen Irrealitätsbegriffs sowie durch seine Idee von Phänomenologie in der Literatur zu umreißen.
Tagungsorganisation:


•    Prof. Miguel A. Garcia (Hochschule Furtwangen)
•    Prof. Melinda Campbell (National University San Diego)
•    Yoni van den Eede (Freie Universität Brüssels)


Internetseite der Society for Phenomenology and Media:
societyphenmedia.wix.com/socphenmedia