Navigationsweiche Anfang

Navigationsweiche Ende

Tagungsbericht zur ESA-Konferenz Turin 2013

von Jessica Schwittek

Die 11. Konferenz der europäischen soziologischen Vereinigung (ESA – European Sociological Association) fand vom 28. – 31. August an der Universität Turin statt; einer der ältesten und größten Universitäten Italiens und Europas. Sitz der Sozialwissenschaften und Austragungsort der Konferenz war ein erst 2012 neueröffneter Gebäudekomplex, der Campus Luigi Einaudi.

Die Konferenz trug den Titel „Crisis Critique and Change“; Themenstichworte mit denen auch ich mich in meiner Forschung zumindest indirekt beschäftige. Ich setze mich mit der Lebenssituation junger Kirgisen auseinander, welche mit vielfältigen, oft widersprüchlichen Erwartungen bezüglich ihrer Zukunft konfrontiert sind. Welche Konflikte dabei für sie entstehen, welche Lösungen sie finden, und welche Implikationen diese Prozesse für gesellschaftlichen Wandel haben, war Gegenstand meines Vortrages. Im Anschluss daran sowie auch bei zahlreichen anderen Gelegenheiten ergaben sich interessante Diskussionen, bei denen ich vielfältige Anregungen für meine Dissertation erhalten habe. Insbesondere hat mich die Studie einer Gruppe junger Forscherinnen aus Sardinien überrascht, die zeigte, dass Jugendliche in Süditalien sich in zum Teil sehr ähnlichen Problemkonstellationen befinden wie die von mir untersuchten Personen.
Überhaupt fand ich es äußerst spannend, die Forschung der italienischen KollegInnen besser kennenzulernen, und mehr über gegenwärtige soziale Prozesse in Italien zu erfahren; beispielsweise darüber, wie die italienische Gesellschaft mit der aktuellen Krise umgeht. Diese Fragestellung wurde auch in einigen Keynote-Vorträgen sowie im Rahmenprogramm der Konferenz thematisiert. So nahm ich an einem „Sociological Walk“ durch den Stadtteil San Salvario teil, in welchem die Bewohner Netzwerke gründeten und durch zahlreiche private Initiativen, gemeinschaftlich finanzierte Kooperativen und die Eröffnung eines Bürgerhauses auf kreative und engagierte Weise die Probleme ihres Stadtteils selbst in die Hand nahmen und sich so auch dem Aufschwung rechtspopulisistischer Bewegungen erfolgreich widersetzen.
Den Organisatoren der Konferenz ist es meines Erachtens gut gelungen, den TeilnehmerInnen die soziale Realität des Austragungslandes näher zu bringen und einen Rahmen für den Austausch über gesellschaftliche Prozesse im internationalen bzw. europäischen Vergleich herzustellen.