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Bericht über die philosophische Tagung: „Phänomenologie und Metaphysikkritik“ (Freiburg, 22.-23.11.2013)

von Tomás da Costa

Zwischen dem 22. und 23. November fand in Freiburg die internationale Konferenz „Phänomenologie und Metaphysikkritik“ statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Husserl-Archiv Freiburg und von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, unter der Leitung vom Professor der philosophischen Fakultät Hans-Helmuth Gander.

Thema der Konferenz war die Position der phänomenologischen Philosophie der Gegenwart in Bezug auf die Metaphysik. Mit seiner Phänomenologie hat Edmund Husserl am Anfang des 20. Jahrhunderts eine philosophische Methode entwickelt, die gleichzeitig eine neue Stellung gegenüber der Tradition der Metaphysik bedeutete. Die Grundfrage der Konferenz bezog sich auf die Formen, in der diese Kritik nach 100 Jahren Phänomenologie-Geschichte ausgeübt wird.

An der Veranstaltung nahmen Dr. Anna Orlikowski, Dozentin an der Bergischen Universität Wuppertal, Dr. Dirk Fonfara, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Husserl Archiv und Dozent an der Universität zu Köln, der Professor an der Universität Vilna (Litauen) Tomas Sodeika, Prof. Masatoshi Sasaki aus Kochi (Japan) und 20 Nachwuchswissenschaftler teil. Am ersten Konferenz-Tag hielt Prof. Tze-Wan Kwan aus Hong Kong einen Abendvortrag zum Thema „Husserl's Concept of ‚Categorial Intuition‘ and its Relevance in Chinese Script Formation“.

Die Vorträge wurden in 9 Sektionen eingeordnet, die unterschiedlichen Themen oder dem Denken von verschiedenen Vertretern der Phänomenologie gewidmet waren, etwa Emanuel Levinas‘ Zeitkonzeption, dem Spätwerk Hannah Arendts, Phänomenologie und Kunst (phänomenologische Analysen des Werks Cezannes, Morandis und Schuchs oder der japanischen Dichtung), Derridas Kritik der Metaphysik und der philosophischen Anthropologie von Helmut Plessner. Prof. Hans Grelland aus Agder, Norwegen, lieferte im letzten Vortrag der Tagung eine phänomenologische Interpretation der letzten Entdeckungen der Quantenphysik.

Im Laufe meiner Präsentation Alfred Schütz‘ Idee einer Ontologie der Lebenswelt als Phänomenologie der natürlichen Einstellung. Probleme und Perspektiven“ habe ich Alfred Schütz‘ Idee einer Phänomenologie der natürlichen Einstellung rekonstruiert. Im Zentrum der Überlegungen standen die theoretischen Konsequenzen seiner Distanzierung vom transzendentalen Verständnis von Phänomenologie. Denn es handelt dabei sich um eine Abkehr, die im Ursprung verschiedener Auffassungen über die mundane Wirklichkeitskonstitution sowie über die Aufgabe der Phänomenologie selbst steht. Zu diesen theoretischen Konsequenzen gehörten etwa die Arbeiten von Maurice Natanson, Thomas Luckmann und Ilja Srubar, die, obwohl sie die Idee einer phänomenologischen Sozialtheorie und damit die Anwendung der phänomenologischen Methode auf die mundane Wirklichkeit ablehnen, nicht nur kein Paradox in Schütz‘ Formulierung einer Phänomenologie der natürlichen Einstellung als Alternative zur Transzendentalphänomenologie Husserls sehen, sondern ein entscheidendes Forschungsprinzip. In der Präsentation wurden zum Schluss die Grundzüge von drei Begriffsbildungen angesprochen, die in der gegenwärtigen Phänomenologie aus dieser Konstellation bzw. aus dem Schütz’schen Verständnis von Ontologie der Lebenswelt entstanden sind: „Anonymität“ (Natanson), „Phänomenologie als Protosoziologie“ (Luckmann) und „pragmatische Lebenswelttheorie“ (Srubar).

Organisatorische Informationen

Tagungsorganisation

  • Murat Ates (Universität Wien/Braunschweig)
  • Oliver Bruns (Universität Bremen/Oldenburg)
  • Choong-Su Han (Universität Freiburg/Seoul)
  • Ole Sören Schulz (Universität Oldenburg)
     

Wissenschaftliche Betreuung

  • Prof. Hans-Helmuth Gander (Universität Freiburg)
  • Prof. Georg Stenger (Universität Wien)
  • Prof. Johann Kreuzer (Universität Oldenburg)

Internetseite:
www.husserlarchiv.de/Phaenokritik/Phaenokritik