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Tagungsbericht: Youmares 4.0 an der Universität Oldenburg vom 11.-13. September 2013

von Heiko Schnickmann

Im nunmehr vierten Jahr treffen sich jährlich junge Nachwuchsozeanographen und marine Ingenieure zum gemeinsamen Austausch über aktuelle Forschungs-projekte. Was als kleines Treffen des Arbeitskreises "Forschung und Lehre" innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Meeresforschung begann, wurde schon im zweiten Jahr zu einer internationalen Veranstaltung mit hunderten von Teilnehmern, die sich in verschiedenen Panels über ihre jeweiligen Forschungsprojekte austauschten.

Die diesjährige Veranstaltung, die wie die Veranstaltungen vorher auch durch Studierende der Meereskunde organisiert wurde, dieses Mal namentlich vor allem durch Johanna Wiedling (Bremen), fand an der Universität Oldenburg statt und wurde wissenschaftlich vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) begleitet. Während die eigentliche Konferenz erst am 12. September begann, wurde für den Tag der Anreise und der Registration ein buntes Rahmenprogramm geboten, das, wie sollte es anders sein, vor allem mit Bootsfahrten und der Einweihung eines neuen Forschungsschiffes des ICBM begangen wurde.

Morgens um 9.10 Uhr begannen die Keynotes. Den Auftakt machte die wohl bekannteste Meeresbiologien Deutschlands, Antje Boetius (Universität und MPI Bremen), die von den Beobachtungen ihrer letzten Arktisexpedition berichtete, bei der sie bedingt durch die Erwärmung des Wassers eine neue Algenart entdeckt hatte, die das arktische Ökosystem auf Dauer verändern wird. Während auf normalen Konferenzen oftmals ausschließlich auf herausragende und bekannte Forscher zurückgegriffen wird, um die einleitenden Vorträge zu halten, ergänzten die Veranstalter die Keynotes durch einen studentischen Vortrag von Oksana Udovyk (Stockholm), die von den Verschmutzungen der Ostsee, einem einzigartigen marinen System, sprach. Jörn Schmidt (Kiel) schließlich verließ den rein naturwissenschaftlichen Sektor und verband seine ichtyologischen Forschungen mit dem Nutzen, den Fisch für Verbraucher haben kann, indem man die Zucht der Fische bzw. deren Fang nachhaltiger organisiert.

Schmidts Vortrag schließlich erklärt auch die Teilnahme eines Historikers auf der Tagung der Meereskundler. Dankenswerterweise wurden auch zwei von mir erstellte Poster zugelassen, die sich dem Thema Meereskunde auf historischem Weg näherten und dabei vor allem die umwelthistorischen (im Fall der Geschichte der Überfischung) und die wissenschaftshistorischen (bei der Operationellen Ozeanographie) Perspektiven des Fachs betrachteten. In beiden Fällen war es möglich, den menschlichen Faktor innerhalb der Meereswissenschaften genauer zu betrachten, was in den Pausen während der Panels zu organischer Materie, zu Quallen, zu Stress bei Fischen und zum Nutzen von Meerestechnik über ihr Feld hinaus von vielen der anwesenden Nachwuchsforscher genutzt wurde.

Der Tag endete schließlich mit weiteren Exkursionen auf See oder mit einem Besuch des Landesmuseums für Natur und Mensch in Oldenburg sowie einer Tagung, auf der Kontakte für den Beruf geknüpft werden konnten.

Der letzte Tag der Tagung war vollgepackt mit Sessions inklusive der Postersession, auf der die Poster selber noch einmal im Gespräch ausführlich besprochen wurden. Abgesehen von dieser galt mein Interesse vor allem den Sessions zur Operationellen Ozeanographie, zur Nahrung Fisch und zur Überfischung. Nur am Rande wurde in allen Bereichen auch auf die Geschichte des jeweiligen Feldes eingegangen, so dass auch klar wurde, dass es hier durchaus Nachholbedarf gibt. Großangelegte Projekte zur eigenen Geschichte des Faches bzw. zum Umgang des Menschen mit dem Meer und seinen Bewohnern sind nicht Teil des universitären Curriculums der Ozeanographie. Das Interesse am Thema aber, das zeigten die zahlreichen Gespräche, ist beim Nachwuchs vorhanden und sollte gefördert werden.