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61st ASMS Conference on Mass Spectrometry and Allied Topics (2013), 9.-13. Juni, Minneapolis (Minnesota, USA)

von Walter Wißdorf

Mithilfe der Unterstützung des ZGS war es mir möglich an der 61. jährlichen Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Massenspektrometrie (ASMS - American Society for Mass Spectrometry) teilzunehmen, welche in diesem Jahr vom 9. bis zum 13. Juni in Minneapolis (Minnesota, USA) stattfand. Wie der offizielle Veranstaltungstitel schon nahelegt, umfasst die Konferenz nicht nur reine Massenspektrometrie, sondern auch verwandte Techniken und analytische Methoden, wodurch sie sich durch einen hohen Grad an Interdisziplinarität auszeichnet. Die Größe der Veranstaltung ist recht beeindruckend: Sie zählte in diesem Jahr über 6500 Teilnehmer aus allen Bereichen der Natur- und Ingenieurswissenschaften, die ihre Ergebnisse in täglich über 700 Poster-Beiträgen präsentierten. Neben den wissenschaftlichen Postern, die bei der ASMS traditionell einen sehr hohen Stellenwert genießen, gab es zweimal täglich acht parallele, zu je einem thematischen Schwerpunkt zusammengestellte Vortragsrunden.

Die Universität Wuppertal war mit vielen Mitgliedern des fachbereichsübergreifenden Zentrums "Institute for Pure and Applied Mass Spectrometry" (IPAMS) vertreten, die einige Poster und einen Vortrag zum Konferenzprogramm beitragen konnten. Insbesondere die Arbeiten der physikalischen Chemie sind eher im Grundlagenbereich anzusiedeln. Mit insgesamt zwölf Postern konnte das IPAMS in diesem Themenbereich mit Sicherheit eine hohe Wahrnehmbarkeit innerhalb der wissenschaftlichen Fachgemeinschaft erreichen.

Meine jüngsten Arbeiten, die ebenfalls Teil der Posterpräsentationen des IPAMS auf der ASMS waren, beschäftigen sich mit der numerischen Simulation der Trajektorien und der chemischen Reaktionsdynamik von Ionen unter der Einwirkung von elektrischen Feldern und erhöhtem Hintergrund-Gasdruck. Meine Beiträge zur Erweiterung eines bestehenden numerischen Modells um ein Modul zur Simulation von chemischen Reaktionen von Ionen, welches ich auf der ASMS vorgestellt habe, stellen den Endpunkt der Arbeiten für meine Promotion dar. Daher war die Konferenz für mich durchaus etwas Besonderes, denn es war mir so möglich, das Endprodukt meiner Arbeit der interessierten Fachgemeinschaft bekannt zu machen. Dabei ist der persönliche Kontakt und das direkte Gespräch mit Kollegen und möglichen zukünftigen Anwendern der entstandenen Simulationsmethode trotz der sich weiterentwickelnden technischen Kommunikationsmöglichkeiten kaum ersetzbar. Insbesondere das direkte Gespräch und die Diskussion mit dem Hauptautor des meiner Erweiterung zugrundeliegenden Simulationsprogramms (SIMION) war enorm hilfreich für mich und ermöglicht, dass bestimmte Bedürfnisse unserer Erweiterung im Hauptprogramm zukünftig berücksichtigt werden.

Auch die potentiellen Anwender waren sehr interessiert am neuen numerischen Modell sowie an ähnlichen Arbeiten, die ebenfalls vom IPAMS auf der ASMS vorgestellt wurden. Oft wurde der Wunsch geäußert, die entstandene Software möglichst schnell beziehen zu können, was uns in unserem Vorhaben, sie möglichst bald unter einer Open Source Lizenz der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, sehr bestärkt. Ich denke, es ist den meisten Menschen ein Bedürfnis, mit der eigenen Arbeit anderen zu nützen. Die Konferenz hat uns gezeigt, dass wir mit unseren Ideen und Bemühungen zumindest einigen Kollegen eine Hilfe sein können.

Eine sehr große Konferenz wie die der ASMS führt allerdings auch einige kritische Aspekte vor Augen: Die große Menge an Informationen, Themen und Eindrücken zwingt den einzelnen Teilnehmer dazu, recht rigoros zu filtern. Es ist einfach nicht möglich, alles potentiell Interessante wahrzunehmen. Man kann nicht in acht Vorträgen gleichzeitig sitzen und man kann auch nicht über 700 wissenschaftliche Poster in einer vier Stunden dauernden Postersession erfassen (wollte man dies versuchen, so blieben nur wenige Sekunden für die Betrachtung eines Posters). Daher muss man sich damit abfinden viele, wahrscheinlich sogar die meisten, potentiell interessanten Inhalte zu verpassen.
Für mich ist dies eine interessante Parallele zur naturwissenschaftlichen Forschung im Allgemeinen. In Zeiten von exponentiell wachsendem verfügbarem Wissen, werden die Qualitäten und die Leistungsfähigkeiten von Informationsfiltern immer bedeutsamer. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass es selbst in den recht speziellen Fachgemeinschaften rund um die Massenspektrometrie zu Unterbrechungen im Informationsfluss kommt: Wissen, das in einem Bereich zum Allgemeingut gehört, wird in einem angrenzenden Bereich kaum oder gar nicht wahrgenommen, obwohl es für beide Bereiche relevant wäre. Dieses Phänomen ist oft Folge der Informationsfilterung und lässt sich insbesondere auf der ASMS Konferenz leicht beobachten. Ich glaube, in Zukunft wird es zu einer beherrschenden Herausforderung für die wissenschaftliche Gemeinschaft werden.

Der Veranstaltungsort, Minneapolis, hat mich sehr positiv überrascht: Minneapolis ist eine angenehme, interessante und kulturell reiche Stadt, in der ich den Aufenthalt sehr genossen habe.