Navigationsweiche Anfang

Navigationsweiche Ende

3. Europäische Sommeruniversität in Digitalen Geisteswissenschaften – „Kulturen & Technologien“

Die Europäische Sommeruniversität in Digitalen Geisteswissenschaften – „Kulturen & Technologien“ fand dieses Jahr zum dritten Mal an der Universität Leipzig statt. Die internationale Sommeruniversität ist interdisziplinär ausgerichtet und ermöglicht einen Austausch zwischen Geisteswissenschaftlern und Informatikern im Hinblick auf die computationelle Bearbeitung und Analyse geisteswissenschaftlicher Inhalte. Letzteres stellt eine besondere Herausforderung für die Informatik dar, da die Geisteswissenschaften an sich nicht nur eine große Bandbreite an verschiedenen Inhalten unter diversen Gesichtpunkten untersuchen, sondern auch deshalb, weil geisteswissenschaftliche Daten von einer besonderen Komplexität zeugen – die Analyse natürlicher Sprache ist hierfür beispielhaft. Für die Geisteswissenschaften, auf der anderen Seite, bietet die computergestützte Aufbereitung, Bearbeitung und/oder Analyse des Datenmaterials neue Möglichkeiten der Erforschung: Es können größere Korpora untersucht, neue Fragestellungen bearbeitet und die Nachhaltigkeit der jeweiligen Korpora gewährleistet werden etc.

Das Programm der neuntätigen Sommeruniversität bestand aus mehreren täglich stattfindenden Workshops mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, welche nachfolgend genannt werden:

  • Computing Methods applied to DH: XML Markup and Document Structuring (Alejandro Bia, Universidad Miguel Hernández, Elche, Spanien)
  • Query in Text Corpora (Andreas Witt, Institut für Deutsche Sprache, Mannheim, Deutschland)
  • Stylometry: Computer-Assisted Analysis of Literary Texts (Jan Rybicki, Uniwersytet Jagiellonski, Kraków, Polen / Maciej Eder, Uniwersitet Pedagogiczny, Kraków, Polen)
  • Art History and the Critical Analysis of Digital Corpora (Élisabeth Doulkaridou, Université de Paris 1 Panthéon Sorbonne, Paris, Frankreich)
  • Interdisciplinary Approaches to the study of Multimodal Human Human / Human Machine Communication (Laszlo Hunyadi, University of Debrecen, Ungarn)
  • Large Project Planning, Funding, and Management (Lynne Siemens, University of Victoria, Kanada)

Darüber hinaus umfasste das Tagungsprogramm Vorträge von Geisteswissenschaftlern und Informatikern, Vorlesungen, Poster Sessions und Podiumsdiskussionen rund um das Thema der digitalen Geisteswissenschaften.

Der von mir eingereichte Vortrag entstand im Rahmen meines Dissertationsprojektes, welches linguistischer Natur ist und der Frage nachgeht, wie sich die Wortstellung im Französischen und Spanischen des 16. Jahrhunderts unter Berücksichtigung sowohl extra-linguistischer als auch linguistischer Faktoren gewandelt hat. In diesem Zusammenhang ist ein adäquater Umgang mit dem zu analysierenden Sprachmaterial von besonderer Bedeutung. Dieses setzt sich aus ca. 10 Prosatexten für jede der beiden genannten romanischen Sprachen zusammen und umfasst ca. 20.000 Clauses, d. h. finite Satzteile. Bevor diese linguistisch analysiert werden können, müssen die Prosatexte entsprechend aufbereitet werden: Hierunter fällt die Digitalisierung der entsprechenden Textabschnitte via OCR (Optical Character Recognition), sofern diese noch nicht digital vorliegen, deren Strukturierung, Segmentierung und linguistische Kodierung. Alle Schritte erfolgen aufgrund der Datenmenge computergestützt. Gleiches gilt auch für die spätere linguistische Analyse und die statistische Auswertung der Ergebnisse. Der Vortrag zeigte die bisherige Forschungslücke in diesem Bereich auf und stellte eine mögliche Herangehensweise für die computergestützte Aufbereitung des Korpus und dessen linguistische Analyse vor.

Der von mir besuchte Workshop zum Thema Computing Methods applied to DH: XML Markup and Document Structuring unter Leitung von Prof. Alejandro Bia (Universidad Miguel Hernández, Spanien) bot mir ferner die Möglichkeit, tiefergehende Kenntnisse in der computationellen Aufbereitung von Sprachkorpora nach gängigem Standard (TEI) zu erwerben.

Durch den Austausch mit anderen (Nachwuchs-)Wissenschaftlern aus der Informatik und aus den Geisteswissenschaften ergaben sich darüber hinaus eindrucksvolle Einblicke in das Feld und die Möglichkeiten der digitalen Geisteswissenschaften, sowie interessante weiterführende Anregungen für mein Dissertationsprojekt.

Ich danke dem ZGS für die freundliche Unterstützung dieser Konferenzreise.