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Tagungsbericht: Afrikanistentag: „Embattled Spaces – Contested Orders“

Panel 2: African Animal Spaces

Der diesjährige Afrikanistenkongress der Vereinigung der Afrikanisten Deutschlands (VAD) fand an der Universität zu Köln statt. Innerhalb von fünf Tagungstagen (30. 5. – 3. 6. 2012) wurde vor allem die aktuelle Situation Afrikas unter dem Aspekt des Raums, der Abgrenzung und dem Wechsel zwischen Räumen besprochen. Die im Jahr 2011 stattfindenden Revolutionen in den Arabischen Ländern bildeten dabei einen Schwerpunkt. Einem gänzlich anderen Thema hatte sich das Doppelpanel „African Animal Spaces“ verschrieben. Vornehmlich historisch ausgerichtet, dabei aber für alle Disziplinen offen, wurde hier über Tiere gesprochen, die sich nicht bloß im physischen Raum bewegen, sondern auch Teil des menschlich imaginierten Raums sind.

Für Afrika zeigte das eindringlich Manuela Kirberg (Leipzig), die in den Märchen Afrikas den Tieren nachspürte und dabei die Behauptung, die Völker Afrikas seinen der Natur näher, widerlegte. In Wirklichkeit seien auch hier die Verhältnisse komplexer als postuliert. Mein Vortrag folgte als zweiter. Am Beispiel des Pferdes legte ich dar, in wie weit Naturräume den Kulturraum prägen und dass bei einem Kulturtransfer die Natur der Kultur angepasst wird. Die Beiträge von Felix Schürmann und Florian Kerschbaumer wendeten sich vom afrikanischen Kontinent ab und schauten auf die Weiten des Ozeans. Schürmann (Frankfurt/Main) konnte durch die Auswertung von Walfängerjournalen aufzeigen, wie der Walfang die sozialen Verhältnisse auf der atlantischen Insel Annobón veränderte. Kerschbaumer (Klagenfurt) beobachtete die Rezeptionsgeschichte von Heines „Sklavenschiff“ und konnte aufzeigen, dass den menschenfressenden Haifischen des Gedichts nicht nur ein gesamter europäischer Kosmos an Wissen über diese Tiere vorausging, sondern auch, dass Sklaven bei ihren Fluchtversuchen oftmals tatsächlich von Sklaven gefressen wurden. Der erste Teil des Panels wurde im Folgenden von den Vorträgen Marcel Ruttens (Leiden) und der Organisatorin Stephanie Zehnle (Kassel) beschlossen. Während Rutten sich der Thematik des Ökotourismus in Kenia und dessen geänderter Akzeptanz unter den Maasai widmete, stellte Zehnle das äußerst spannende Thema der in kolonialer Zeit stattgefundenen Morde der Leopardenmänner vor. Einzig ihre Interpretation, diese Morde seinen Ausdruck einer in Unordnung geratenen Welt, was sich dadurch äußere, dass hier Grenzen zwischen Mensch und Tier verschwömmen, konnte ich nicht recht folgen. Nach kurzer Kaffeepause stellten sich die verbliebenen vier Teilnehmer vor. Urike Kirchberger (Bayreuth/Bamberg) hob heraus wie die deutschen Kolonisten in Ostafrika Reservate für Tiere einrichteten, Luregn Lenggenhager zeigte am Beispiel des neu geschaffenen Naturschutzgebietes KAZA im südlichen Afrika auf, wie durch das Aufheben alter Grenzen neue entstehen. Die beiden letzten Beiträge des Panels lieferte die Bochumer Kunsthistorikerin Christina May, die ausgehend vom Carl Hagenbecks Tierpark darstellte, wie die Architektur der Zoos durch die Afrikanische Umwelt geprägt wurde. Johann Reißer (Frankfurt/Oder) schließlich lieferte eine klassische Textinterpretation von Kafkas „Ein Bericht an eine Akademie“, in der er den Einfluss Hagenbecks auf Kafka nachwies.

Die Tagung endete mit einer kleinen Diskussion. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist angedacht.