Navigationsweiche Anfang

Navigationsweiche Ende

Summer Course in Narrative Studies 2015 zum Thema „Factual and Fictional Narration“, 09.-14. August 2015, Sønderborg, Dänemark

Die Summer School of Narrative Studies (SINS) wird seit 2013 jährlich von der Universität Aarhus (Dänemark) organisiert und richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen, deren Forschung sich durch einen erzähltheoretischen Schwerpunkt auszeichnet. In einem sechstägigen Intensivprogramm wird 35 DoktorandInnen und Postdocs die Möglichkeit geboten, aktuelle Forschungsentwicklungen sowie neueste Forschungstrends innerhalb des breiten Forschungsbereichs der narrative studies in einem sowohl interdisziplinären als auch internationalen Kontext gemeinsam zu erörtern und anschließend zu diskutieren. Neben der aktiven Teilnahme an zahlreichen reading sessions und Gruppendiskussionen halten die TeilnehmerInnen der SINS darüber hinaus einen eigenen Vortrag, der sich mit einer Fragestellung auseinandersetzt, die von zentraler Bedeutung für das Forschungsfeld der Narratologie bzw. der allgemeineren Erzählforschung ist. Das Gesamtprogramm bietet zudem Vorträge von international renommierten Keynote-SprecherInnen, die ebenfalls an der gesamten Summer School teilnehmen. Auch die örtlichen Rahmenbedingungen sind attraktiv: die SINS findet im ausgelagerten Konferenzzentrum Sandbjerg Estate der Universität Aarhus statt, einem ländlichen Gutsanwesen, das in schönster Natur nahe der Stadt Sønderborg liegt.

Da die SINS 2015 in Kooperation mit dem DFG-Graduiertenkolleg „Faktuales und fiktionales Erzählen: Differenzen, Interferenzen und Kongruenzen in narratologischer Perspektive“ der Universität Freiburg ausgerichtet wurde, lag der diesjährige Schwerpunkt auf dem Thema „Factual and Fictional Narration“. Das Organisationsteam hatte eine Gruppe von exzellenten Keynote-SprecherInnen eingeladen, die als ExpertInnen hoch angesehen sind und verschiedene innerdisziplinäre Ansätze der Erzählforschung vertreten: Monika Fludernik (kognitive Narratologie), James Phelan (rhetorische Narratologie), Mark Freeman (Ansatz der narrativen Identität), Karin Kukkonen (transmediale Narratologie), Stefan Iversen (unnatürliche Narratologie) und Henrik Skov Nielsen (Fiktionalitätstheorie) stellten während der sechs Veranstaltungstage im Rahmen von eineinhalbstündigen Vorlesungen und Impulsreferaten mit anschließender Diskussion jeweils die wichtigsten Gegenstände, Fragestellungen und Ziele ihrer einschlägigen Forschungsinteressen sowie ihre aktuellen Forschungsprojekte vor.

Im Gegensatz zu den Vorlesungen und Impulsreferaten der Keynote-SprecherInnen, die dem gesamten Plenum vorgetragen wurden, fanden die Vorträge der NachwuchswissenschaftlerInnen in einem kleineren Format statt: Die TeilnehmerInnen der Summer School wurden im Vorfeld in vier Gruppen eingeteilt, die jeweils einem bestimmten Keynote-Sprecher/einer bestimmten Keynote-Sprecherin zugeteilt waren. In diesen Gruppen, die sich über die sechs Tage hinweg in fester Konstellation trafen, hielten die TeilnehmerInnen ihre eigenen Vorträge. Da die OrganisatorInnen die Gruppen auf der Basis der von den TeilnehmerInnen eingereichten Proposals zusammengestellt hatten, lagen die Vorträge thematisch sehr nah beieinander, so dass sich im Laufe der Woche interessante Synergieeffekte bildeten, die vielen TeilnehmerInnen neue Perspektiven auf ihre eigene Forschung eröffneten und ihnen neue Denkanstöße für das weitere Vorgehen am eigenen Projekt lieferten. Auch die reading sessions wurden in Kleingruppen von bis zu maximal neun TeilnehmerInnen und einem Keynote-Sprecher/einer Keynote-Sprecherin als Moderator/in abgehalten und stellten somit eine optimale Größe für sowohl lebhafte als auch fruchtbare Diskussionen der vom Organisationsteam sorgfältig ausgewählten Texte dar. Da die einzelnen Lesegruppen jedoch täglich wechselten, brachen sie die thematische Ordnung der Präsentationsgruppen regelmäßig auf und boten den TeilnehmerInnen auf diese Weise einen Raum, in dem sie sich jenseits der Gruppenzugehörigkeit austauschen konnten.

Ich selbst hielt im Rahmen der Summer School einen Vortrag zum Thema meines Dissertationsprojektes, dem Phänomen des präsentischen Erzählens im anglo-amerikanischen Roman. In meinem Paper setzte ich mich konkret mit der Frage auseinander, inwieweit Erzählungen, die im Präsens geschrieben sind, sich sowohl stilistisch als auch erzähltechnisch von solchen Erzähltexten unterscheiden, die im Präteritum verfasst sind. Die sich an meine Präsentation anschließende Diskussion mit den anderen GruppenteilnehmerInnen und dem Experten James Phelan brachte in diesem Zusammenhang sehr konstruktives Feedback für mich hervor, das sich bei der weiteren Arbeit an meinem eigenen Projekt sicherlich als äußerst hilfreich erweisen wird. Des Weiteren profitierte meine Gruppe von der ausgezeichneten Expertise des Gruppenleiters, der die Sitzungen nicht nur adäquat moderierte, sondern es darüber hinaus hervorragend verstand, einem jedem Einzelnen der Vortragenden wertvolle Ratschläge bezüglich des eigenen Forschungsthemas mit auf den Weg zu geben. Die Teilnahme an der Summer School war also eine sehr positive Erfahrung für mich, weshalb ich dem Zentrum für Graduiertenstudien (ZGS) an dieser Stelle herzlich für die Unterstützung danken möchte.