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"Ist die Wesensschau fallibel? Über Möglichkeit und Grenze der phänomenologischen Letztbegründung bei Husserl"

Das "Centro Mexicano de Investigaciones Fenomenológicas", das "Seminario de Estudios Básicos de Fenomenología trascendental" und das "Instituto de Investigaciones Filosóficas" an der "Universidad Nacional Autónoma de México" organisieren zweimal pro Jahr eine akademische Veranstaltung, wo Forscher im Bereich der phänomenologischen Philosophie aus USA, Europa und Lateinamerika zu einem Vortrag oder einer Reihe von Vorträgen eingeladen werden. Hauptziel davon ist es, Forscher im Bereich der phänomenologischen Philosophie in Verbindung zu bringen und dadurch Forschungsergebnisse und institutionale Kontakte auszutauschen. Zur ersten Veranstaltung des Jahres 2015 haben sie mich zu einem 60-minutigen Vortrag eingeladen.

Schwerpunkte des Vortrags waren:

Titel:
Ist die Wesensschau fallibel? Über Möglichkeit und Grenze der apodiktischen Letztbegründung bei Husserl.

Hauptziel: Husserls Theorie der apodiktischen Evidenz in kritischer Auseinandersetzung mit George Heffernan zu betrachten.

Ergebnisse der Diskussion:
1.    In folgendem Punkt ist sachliche Einigung erreicht worden: Für die Lösung des Problems der Fallibiliät der Evidenz müssen als aller erst in der allgemeinen Idee der Wesensschau folgende Ebene unterschieden werden: I) Wesensschau als schlichtes "Sehen" von unmittelbaren Selbstgegebenheiten. II) Wesensschau als Begreifen und Urteilen (bzw. Wesensbedeutung) und III) Wesensschau als Methode (bzw. Wesensmethode oder eidetische Reduktion). Die Möglichkeit der Fallibilität als unrichtiges Meinen (dass insofern als unrichtig zu bezeichnen ist, als es sich nicht nach Evidenz richtet) kann erst auf der Ebene des Bedeutungsmäßigen entstehen und setzt daher die Ebene des schlichten Sehens voraus. Damit es Fallibilität überhaupt geben kann, muss also zuerst die Ebene des unbezweifelbar Gesehenen immer schon da gewesen sein. Dieses unmittelbar und unzweifelhaft Gesehene nennt Husserl "ursprüngliche Selbstgegebenheit". Das sich auf solche Selbstgegebenheiten Berufen macht die Radikalität des phänomenologischen Positivismus aus.

2. Folgende künftige Forschung bestimmende Fragen wurden gestellt:I) Inwiefern kann die Apodiktizität des schlicht Gesehenens in die Ebene der Bedeutungsmäßigen (Begriff und
Urteil) übertragen werden? II) Es ist unbezweifelbar, dass Husserl die Unterscheidung der drei Ebene (Sehen, Begreifen-Urteilen und urteilsmäßiges methodisches Verfahren) gemacht hat, aber die Frage bleibt übrig, ob er es irgendwo explizit im Rahmen der Diskussion von der Fallibilität vorgestellt hat.

Hervorzuheben ist das herausragend hohes Niveau von der Diskussion zwischen Professoren und Doktoranden, die aus Anlass des Vortrags zustande gekommen ist. Sie hat zur Entwicklung meines Dissertationsprojekts gründlich beigetragen, sowie meine akademische Verbindungen bedeutend verstärkt.