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Call For Papers

Doktoranden- und Postdoktorandentagung für Phänomenologie an der Bergischen Universität Wuppertal

 

„Subjektivität und Intersubjektivität“

Das Thema der Intersubjektivität ist seit Edmund Husserls berühmt gewordener Ausarbeitung in der fünften seiner Cartesianischen Meditationen eine der besonderen Stärken der Phänomenologie. Ohne bereits von vornherein übergreifende Gemeinschaftsstrukturen anzunehmen, in die sich die Einzelnen dann jeweils integrieren bzw. integrieren müssen oder sollen, setzt sich die Phänomenologie das Ziel, anhand der unmittelbaren Erfahrung aufzuzeigen, wie wir Anderen begegnen. Husserl verfolgt das Ziel, den Anderen im Ausgang vom auffassenden Ego zu konstituieren und obgleich er bis zur Beobachtung einer grundsätzlichen Verflechtung unserer Intentionalitäten vordringt, hält er doch daran fest, dass der Andere vom Ego letztlich „abgrundtief geschieden“ bleibt. Levinas geht seinerseits von einer Passivität diesseits von Passivität und Aktivität aus, in der mich der absolut Andere immer schon zur Verantwortung gerufen hat und meiner Subjektivität wesentlich zugrunde liegt. Trotz der großen Unterschiede zwischen diesen beiden Phänomenologen kommen sie doch beide zu dem Ergebnis, dass der Andere sich als stets nur begrenzt zugänglich erweist, während er aber gleichzeitig konstitutiv für die eigene Subjektivität zu sein scheint. Dies lässt eine Verflechtung der Frage nach der Intersubjektivität mit der nach der Subjektivität erkennen, die das Thema der Tagung begründet. Es sind vier Sektionen geplant.

An erster Stelle steht eine Sektion zu Subjektivität und Intersubjektivität. Hier wäre zu erörtern, wie überhaupt ein Subjekt bzw. im weiteren Sinne ein Einzelner zu verstehen ist, der sich unter anderen befindet. Lässt sich auch nach der postmodernen Subjektkritik noch von Subjektivität sprechen und, wenn ja, inwiefern? Wie gewinnt ein Subjekt Bewusstsein von sich selbst und welchen Status kann dieses Selbstbewusstsein beanspruchen?

Den zweiten Themenkomplex bilden die Begriffe Sprache und Kommunikation. Während Husserl in der ersten seiner Logischen Untersuchungen noch ein vorwiegend naives Verständnis des Ausdruckes als eines bloßen Ausdruckes des bereits fertig vorliegenden Sinnes entwickelte, ist das Thema Sprache in der Folge zu einem zentralen Thema der Phänomenologie geworden. Merleau-Ponty geht davon aus, dass jeder Sinn zu seinem Ausdruck drängt, dabei jedoch stets eine Kluft zwischen lebendigem Sinn und gefundenem Ausdruck bestehen bleibt. Da Sprache nie Privatsprache ist, sondern immer auf so etwas wie objektiv gültige Regelungen zurückgreifen muss, ist sie zudem eng mit der Thematik der Kommunikation verknüpft. Wie ist es zu verstehen, dass Sprache kreativ ist, wir unser Eigenstes sprachlich auszudrücken suchen und Sprache dabei gleichzeitig als schon bekanntes Verständigungsmittel gebrauchen können? Darüber hinaus kann in dieser Sektion der Frage nachgegangen werden, welche nicht-sprachlichen Kommunikationsformen es geben könnte, wie diese funktionieren und in welcher Beziehung sie zur sprachlichen Kommunikation stehen.

In der dritten Sektion soll das Thema Gefühle den Leitfaden bilden. Um einen Zugang zu uns selbst und den Anderen zu gewinnen, scheint nicht nur das vernünftige Denken und Sprechen relevant zu sein, sondern auch die Gefühle beanspruchen eine zentrale Rolle in diesem Geschehen. Nicht erst Heidegger hat diesen Umstand in seinen berühmten Analysen zu den Grundstimmungen hervorgehoben, sondern bereits in Husserls genetischer Phänomenologie tritt deutlich hervor, dass aktives Denken und Kommunizieren nur auf der Basis passiv ablaufender und emotional geprägter Vorgänge möglich ist. Inwiefern und welche Gefühle das Selbstverständnis prägen und wie bestimmte Gefühle zur Kommunikation und Bildung einer gemeinsamen Welt beitragen oder aber diese blockieren können, sind Fragen, denen die Vorträge dieser Sektion nachgehen könnten.

Die vierte und letzte Sektion widmet sich dem Themenkomplex der Ethik aus einer phänomenologischen Sicht. Welche Art von Ethik lässt sich auf phänomenologischem Wege rechtfertigen bzw. lässt sich in dieser Weise überhaupt eine Ethik begründen? Kann die Phänomenologie an die großen Traditionen der aristotelischen Tugendethik, des angelsächsischen Utilitarismus oder der Kantischen Gesetzesethik anschließen oder verfolgt sie prinzipiell andere Ansätze?

Sollten Sie Interesse haben, zu dieser Tagung mit einem Vortrag beizutragen, bitten wir Sie darum, bis zum 31. Juli 2009 Themenvorschläge einzureichen. Ihr Vorschlag sollte einen Vortragstitel und ein Abstract von 300-500 Wörtern sowie eine kurze Angabe darüber enthalten, wo Sie derzeit in welcher Form tätig sind. Bitte senden Sie die Unterlagen an Dr. des. Inga Römer: roemer@uni-wuppertal.de.

Die Tagung wird durch das Zentrum für Graduiertenstudien (ZGS) der Bergischen Universität Wuppertal unter­stützt und findet in Kooperation mit dem Institut für phänomenologische Forschung statt. Eine Publikation der Beiträge ist angestrebt.