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Call For Papers

Retrospektivität und Retroaktivität
Erzählen, Geschichte, Wahrheit

Promovierende und PostdoktorandInnen aus den Fächern Philosophie, Literatur- und Sprachwissenschaften, Geschichtswissenschaft sowie Theologie sind herzlich dazu eingeladen, sich mit einem Beitrag an der Tagung „Re­trospektivität und Retroaktivität – Erzählen, Geschichte, Wahrheit“ an der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) zu beteiligen.

Auf der interdisziplinären Doktorandentagung, die vom 12. bis zum 14. September 2008 in Wuppertal stattfindet, soll die Frage nach dem Wahrheitsanspruch von Vergangenheitserzählungen diskutiert werden. Als Vergangenheitserzählungen werden dabei sowohl fiktionale Verarbeitungen geschichtlicher Ereignisse (historischer Roman) als auch nicht-fiktionale Rekonstruktionen von Vergangenem (z.B. die master narratives der Histo­riographie) aufgefasst. Ausgangspunkt der Diskussion sind die beiden komplementären Konzepte Retrospektivität und Retroaktivität: Während Retrospektivität die hermeneutische Situation einer nachträglichen Interpretation in den Blick nimmt, verweist Retroaktivität auf die darüber hinausgehende Frage, ob bzw. inwiefern interpretierte bzw. in temporale und kausale Zusammenhänge eingeordnete Ereignisse nicht durch Interpretation oder Zuordnung verändert oder geschaffen werden.

 

Der Begriff der Geschichte ist dabei doppeldeutig: Wenn er zum einen das vergangene Geschehen bezeichnet, steht er zum anderen für das Erzählte. Der Mensch, der im Nachhinein aus einer bestimmten Perspektive heraus Geschichte(n) schreibt, verbindet seine Behauptungen über diese mit einem Wahrheitsanspruch. Dies ist vor dem Hintergrund seines perspektivisch beschränkten Horizontes jedoch problematisch. Ein radikal perspektivischer Zugang zu dem Zusammenhang von Wahrheit und Geschichte, der die Rede von einer Wahrheit durch die Rede von Wahrheiten ersetzt, vermag nämlich aufgrund seiner relativistischen Implikationen ebenso wenig zu überzeugen wie ein übersteigerter Wahrheits- und Objektivitätsanspruch. Aus dem variablen Zusammen­hang zwischen Erzählen, Geschichte und Wahrheit von Vergangenheitserzählungen ergeben sich zahlreiche theoretische und methodologische Probleme, die in den Tagungsbeiträgen zur Diskussion gestellt werden können. Fragestellungen können etwa sein:

 

  • Wie lassen sich die Konzepte Retrospektivität und Retroaktivität voneinander abgrenzen bzw. zueinander ins Verhältnis setzen?
  • Welche Rolle spielen Retrospektivität und Retroaktivität bei der Darstellung eines vergangenen Geschehens?
  • Wie versuchen Vergangenheitserzählungen durch Strategien der Inszenierung bzw. Authentisierung oder der Ambiguisierung und Unzuverlässigkeit der Beschränkung durch Retrospektivität und Retroaktivität zu entgehen bzw. diese sichtbar zu machen?
  • Wieso kommt ein ernsthaftes Reden von Geschichte nicht ohne Wahrheitsanspruch aus?
  • Inwiefern wird die hermeneutische Situation des Interpreten in den unterschiedlichen Disziplinen problematisiert?
  • Wie lassen sich Retrospektivität und Retroaktivität bewerten, wenn es um Geschichten göttlicher Offenbarung geht?
  • Welche Rolle spielen Gedächtnisarbeit und Relektüre in Konzepten von Retrospektivität und Retroaktivität?
  • (Wie) inszenieren fiktionale Erzählungen Retrospektivität und Retroaktivität als Wahrheitsproblem?
  • Wo verläuft die Trennlinie zwischen ‚realer‘ und ‚fiktionaler‘ Geschichte?
  • Welchen Wahrheitsanspruch erheben fiktionale Vergangenheitserzählungen?

Bitte senden Sie Abstracts (300-500 Wörter) für Beiträge bis zum 23. Juni 2008 an Marcus Born (retroaktivitaet@uni-wuppertal.de).

Die Tagung wird durch das Zentrum für Graduiertenstudien (ZGS) der Bergischen Universität Wuppertal unter­stützt und findet in Kooperation mit dem Institut für phänomenologische Forschung und dem Zentrum für Erzählforschung (ZEF) statt. Eine Publikation der Beiträge ist angestrebt.