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Call For Papers

Mediales Erzählen III:
Kommunikation und narrative Instanzen


Forschungskolloquium der Studienstiftung des deutschen Volkes
und des Zentrums für Graduiertenstudien
in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Erzählforschung
an der Bergischen Universität Wuppertal
am 11./12. September 2010

In den ersten beiden Teilen der Reihe Mediales Erzählen standen Elementarien der Medialität und der Inter- und Transmedialität sowie der Facettenreichtum des Verhältnisses zwischen Fakt und Fiktion im Zentrum der Auseinandersetzung. Es wurde so auf je unterschiedliche kontextuelle Aspekte des Erzählens hingewiesen. Die dritte Tagung setzt sich nun mit den Instanzen des Erzählwerks auseinander, wie sie in der klassisch-literaturbasierten Narratologie genannt werden, und bindet sie in den transmedialen Rahmen ein. Den Ausgangspunkt bildet die Frage, ob trotz der Divergenz, die hinsichtlich Aufbau und Spezifik zwischen einzelnen Medien besteht, ein grundlegendes Kommunikations- und Vermittlungsmodell anzunehmen ist, welches einerseits innerhalb einer transmedialen Erzähltheorie medienübergreifend Bestand haben kann, aber auch medienspezifisch operabel ist. Welche Bausteine formieren ein solches Modell? Welche Hindernisse gilt es bei seiner Konzeption zu überwinden? Und sprechen die auftretenden Probleme nicht vielmehr dafür, auf ein übergreifendes Modell zu verzichten? Wie hilfreich sind tatsächlich die von der klassischen Narratologie überbrachten Termini und Analyseinstrumentarien für die Auseinandersetzung mit verschiedenen narrativen Medien?

Mehrere Sachverhalte stellen sich im Rahmen einer Betrachtung des ‚Hervorbringens‘ und der ‚Aufnahme‘ von medial generierten, narrativ strukturierten Inhalten als untersuchenswert dar. Mit Blick auf die Äußerungsinstanzen Autor, Erzähler und Figur ergeben sich zwei grundlegende Probleme, zum einen die Frage nach der hierarchischen Differenzierung ihrer Äußerungen und zum anderen die Frage nach einer methodisch adäquaten Erfassung der Interferenzen zwischen den einzelnen ‚Reden‘. Dass etwa nach wie vor Uneinigkeit darüber herrscht, ob der reale Autor bzw. Produzent nachweisbare Spuren im fiktionalen Text hinterlässt, die wiederum für eine Textanalyse unabdingbar sind, beweist die innerhalb der Lite-raturwissenschaft nachhaltig geführte Debatte um den Implied Author (Booth und Kindt/Müller). Ebenso besteht beim Verhältnis zwischen Erzähleräußerung und Figurenrede bzw. Nuancierung der ‚Textinterferenzen‘ (Schmid) Klärungsbedarf. Des Weiteren wird bei medienorientierten Zugängen auf Narrationen immer wieder die Rolle des Rezipienten relevant; etwa dann, wenn − wie im Fall des Films − die Annahme eines Erzählers als organisierende Instanz fallen gelassen wird. Kann nicht doch − um einmal mit den etablierten kognitionspsychologischen Ansätzen zu fragen − dem Rezipienten als ‚Verstehendem‘ die ausschlaggebende Stellung bei der Stiftung von Kohärenz und Struktur des Erzählwerks zu-gewiesen werden? Oder aber − wie in aktuellsten Forschungsbeiträgen der Computer Game Stu-dies vorgenommen − kann (oder muss) dem Rezipienten ein interaktiver Anteil an einer Nar-ration zugesprochen werden?

Wie angedeutet, spitzt sich die Problemlage bei einer Applikation der Textinstanzen von einer literaturwissenschaftlich geprägten Narratologie in den trans- und intermedialen Kontext zu. Daher seien folgende thematische Unterbereiche für eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstand vorgeschlagen.

Sektionen

  • Kommunikationsmodelle als Bedingungen der Erzählinstanzen: Inwiefern tragen medienspezifische Kommunikationsmodelle zur Differenzierung von Erzählinstanzen bei?
  • Kritische Reflexion der von der Literaturwissenschaft überbrachten Kategorien: Inwie-fern sind einzelne literaturwissenschaftliche Theorien, wie die des Implied Author, tatsächlich praktikabel in der Auseinandersetzung mit Literatur? Und welche Implikationen beinhaltet das metaphorische Sprechen über Erzählinstanzen?
  • Übertragbarkeit theoretischer Konzepte aus der Literaturwissenschaft auf andere Medien: Welche Vorteile und/oder Probleme entstehen bei der Applikation? Es lässt sich auch vice versa fragen: Inwiefern lassen sich nicht-textbasierte Modelle auf literarische Texte anwenden?
  • Untersuchungen an Einzelmedien: Inwiefern beeinflussen mediale Spezifika (des Films, der Literatur, des Comics usw.) die Narration bzw. narrative Strukturierungsmuster? Wie zeichnen sich besondere narrative Formen wie etwa die Autoreninszenierung, die narrative Unzuverlässigkeit oder Metalepsen in einzelnen medialen Kontexten ab? Und wodurch zeichnet sich das ‚narrative Medium‘ gegenüber nicht-narrativen Medien aus?

Organisatorisches

Das geplante Forschungskolloquium schließt an die vorherigen Teile an und gibt zugleich Raum für gezielte Fragestellungen mit Bezug auf die skizzierte Thematik, die im Zusammenhang mit Dissertationsprojekten stehen. Im Rahmen dieses Kolloquiums sollen Promovierende der Studienstiftung des deutschen Volkes und weitere narratologisch Interessierte zusammengeführt werden.

Geplant sind 30-minütige Beiträge, die von kurzen Respondenzen begleitet werden. Als ge-meinsamer Bezugspunkt dient ein Reader, der einschlägige theoretische Texte vereint. Von zwei ausgewiesenen Experten vorgetragene Keynotes rahmen das Doktorandenkolloquium, das sich gleichermaßen als Fortführung älterer wie auch als Ausgangspunkt für weitere Veranstaltungen der inzwischen vernetzten Narratologen der Studienstiftung versteht.

Die Tagung findet am Samstag, 11. und Sonntag, 12.9.2010 im Alten Senatssaal (P.08.14) der Bergischen Universität Wuppertal statt. Für diejenigen Teilnehmer, die Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes sind, werden Unterkunft und Fahrt getragen.
Interessenten senden bitte ihre Abstracts (mit max. 1500 Zeichen) sowie einen kurzen Lebenslauf bis spätestens 31. Mai 2010 an:

Stephan Brössel
Bergische Universität Wuppertal
Sekretariat der Allgemeinen Literaturwissenschaft
Gaußstr. 20
42097 Wuppertal
s.broessel{at}uni-wuppertal.de

Lukas Werner Sonnenstr. 177 42277 Wuppertal lukas-werner{at}cantab.net