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Konferenz 'Geschlecht und Stil in der Annäherung Heideggers an das Gedicht Trakls'

Datum: 20. Januar 2020

Ort: Lima, Peru

von Angel Alvarado Cabellos

 

Am 20. Januar 2020 habe ich auf Einladung von Prof. Dr. Frau Rosemary Rizo-Patrón, Leiterin des Forschungszentrums der philosophischen Fakultät von der Päpstlichen Katholischen Universität von Peru eine Konferenz mit dem Titel „Sexo, estilo y estirpe en la aproximación de Heidegger a la poesía de Trakl“ (Geschlecht und Stil in der Annäherung Heideggers an das Gedicht Trakls) gehalten. Die Konferenzreise war eine ausgezeichnete Gelegenheit, meine Forschungsarbeiten in einem spanischsprachigen Kreis von Forscheren vorzustellen und zu diskutieren, die sich mit ähnlichen Themen und Autoren befassen wie ich selbst in meiner Dissertation „Zweideutigkeit des Eros: die Faszination zur architektonischen Überschreitung bei Michel Henry“.

Das Thema meiner Konferenz führte sowohl eine materialistische Annäherung an den Begriff „Rasse“ aus den Schwarzen Heften Heideggers, der uns dazu veranlasste, es als „mestizaje“ (Rassenmischung) zu betrachten, als auch dessen, was wir die phänomenologische Zweideutigkeit des Eros im Sinne eines „architektonischen Verbots“ und einer „architektonischen Überschreitung“ genannt haben, weiter. Bereits einem Seminar Heideggers von 1928 ergab sich die Möglichkeit, dass die „faktische Zerstreuung“ des Geschlechts in einer „transzendentalen Zerstreuung“ ihren Ursprung hat, die weder negativ als „Geschlechtslosigkeit“ des Daseins definiert wird, noch eine Transposition vollzieht, bei der die „Zerstreuung“ als bloße „ontologische Differenz“ verstanden wird, indem sie auf der Geworfenheit beruht. Bei Heideggers Annäherung an Trakls Gedicht wird eine innere Spannung im Geschlecht erkannt, sowohl mit dem Sinn von „Abstammung“ als auch mit dem von „sexueller Differenz“. Wenn das „Menschengeschlecht“ an sich eine „Abstammung“ ist, d.h. von einem „Schlag“ im Sinne einer „Faktizität“ geprägt ist, wird ein zweiter „Schlag“ als „sexuelle Differenz“ hinzugefügt, der als „Zwietracht“ verstanden wird. Heidegger versucht, diese zwieträchtige Dualität in einer „sanfteren“ Dualität als „Zwiefache“ zu transponieren. Die Transposition, mit der Heidegger versucht, die „sexuelle Differenz“ in eine „ontologische Differenz“ zu verwandeln, bezeichnet sich als das Verbot der Figur des „Inzests“ in Trakls Gedicht. „Inzest“ nennt sowohl das sozusagen „inzüchtige Verlangen“ eines jeden Geschlechts als auch seine „Verwesung“. Zum zweiten „schwingt“ das „Geschlecht als „Schlag“, d.h. als der Eindruck eines Drucks, mit derselben Etymologie des „Stils“ mit. Wenn Heidegger den „Stil“ als „Rhythmus“ bezeichnet, d.h. als der Wechselbezug zwischen der „Erörterung“ des Ungesprochenen des Gedichts und der „Erläuterung“ der Dichtungen, dann deshalb, weil er den „Ort“, aus dem der Dichter spricht, als denjenigen versteht, aus dem alle Zerstreuung entsteht, durch den sie hindurchgeht und in dem sie gesammelt wird. Dieser „rhythmische“ Charakter des Stils Heideggers im Sinne des Durchscheinens der Schwingung zwischen dem Ungesprochenen und dem poetisch Gesagten, vollzieht sich in einer „etymologischen“ Geste, d.h. in der Zurückführung eines „deutschen“ Worts auf seine „ursprüngliche Bedeutung“ und „für uns“ im Althochdeutschen. Und dennoch betrachten wir entgegen dieser Auffassung des „Stils“ als die „Sammlung“ der „Sprache“ im „Ungesprochenen“ den „Ausschlag“ des „Stils“ in einer „metonymischen Transposition“.

Ich danke dem ZGS für die finanzielle Unterstützung dieser Konferenzreise.