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The First Principle in the Later Fichte: The (not) “surprising insight” in the 15th Lecture 1804/II

Datum: 22. - 24. Mai 2019

Ort: Cincinnati, Ohio, USA

von Michael Lewin

 

In Cincinnati, im Mittleren Westen der USA, trifft sich die North American Fichte Society (NAFS), um mit dem deutschen Klassiker der Philosophie, Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), mit- und weiterzudenken. Es handelt sich um die 14. Konferenz seit der Gründung der NAFS im Jahr 1991 von Daniel Breazeale und Tom Rockmore, die auch dieses Mal dabei sind. Es ist, wie gewohnt, Mai, und zwei Jahre sind seit dem letzten Treffen vergangen. Draußen sind es bis zu 31 Grad und die etwa 16-20 Teilnehmenden und Vortragenden finden sich zum Frühstück in einem kühlen und gemütlichen Konferenzraum der Xavier University ein, einer privaten Hochschule mit einem gepflegten Campus, die 1831 durch den Jesuitenorden gegründet wurde.

 

Es herrscht eine angenehme freundschaftliche Atmosphäre, wie man sie zum Beispiel auch bei den Veranstaltungen der Internationalen J.G. Fichte-Gesellschaft erleben kann, deren juristische Gründung übrigens in Wuppertal stattfand, wo der damalige Präsident, Prof. Dr. Wolfgang Janke, seinen Wohnsitz hatte. Jeder, der „Wuppertal“ hört, kann damit etwas verbinden – Wuppertal ist nicht nur die Geburtsstadt (Barmen) von Engels, sondern steht auch für die Fichte-Forschungstradition an der Bergischen Universität, die nun von Prof. Dr. Alexander Schnell fortgeführt wird.

 

Die Teilnehmenden, die aus Kentucky, Illinois, Georgia, Texas, Connecticut, Massachusetts, Montreal, Lissabon, Madrid, Gent und Peking anreisen, stellen ihre Thesen und Fragen zu einer Version der Wissenschaftslehre vor, die Fichte im Jahr 1804 in Berlin vorgetragen, zu seinen Lebzeiten aber nicht veröffentlicht hat. Sie liegt dem englischsprachigen Publikum dank der Übersetzung von Walter E. Wright seit 2005 vor, auf die sich die Teilnehmenden größtenteils beziehen (The Science of Knowing. J. G. Fichte’s 1804 Lectures on the Wissenschaftslehre, SUNY Press, 2005).

 

Das Niveau der Vorträge und der Diskussionen ist hoch – es werden alle zentralen Themen und Texte aus dem Umfeld der Wissenschaftslehre 1804 angesprochen, sie wird mit den früheren Versionen der Wissenschaftslehre verglichen, es werden gelegentlich Originalpassagen in deutscher Sprache zitiert, Kants und Hegels Positionen stehen regelmäßig zur Debatte und es werden Bezüge zur analytischen Erkenntnistheorie und Metaphysik hergestellt.

 

Zum Ende der Konferenz wird überraschenderweise bekanntgegeben, dass Gabriel Gottlieb (Xavier University Cincinnati) und Benjamin Crowe (Boston University) die Leitung der NAFS übernehmen. Es folgt ein Applaus: Jeder begrüßt in voller Zustimmung den neuen Vorstand. Es folgt ein zweiter Applaus: Jeder dankt mit ihm – im Stehen – Daniel Breazeale und Tom Rockmore für (mehr als) 28 Jahre exzellente Fichte-Forschung und ihre Unterstützung in Nordamerika und weltweit. Es wird beschlossen, dass es bei der nächsten Konferenz in zwei Jahren um die praktische Philosophie Fichtes allgemein gehen soll. NachwuchswissenschaftlerInnen sind nach wie vor sehr willkommen.