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Tagungen Slawisch-deutsche Begegnungen in der Literatur, Sprache und Kultur

Datum: 18. - 20. und 23. - 25. Oktober 2018

Ort: Krakau und Kamień Śląski/ Groß Stein, Polen

von Sofie Friederike Mevissen

 

Die Tagung Slawisch-deutsche Begegnungen in der Literatur, Sprache und Kultur am Historischen Museum in Krakau wurde hauptverantworlich vom Neophilologischen Institut der Pädagogischen Universität  Kraków veranstaltet. Das Thema der 3. interdisziplinären Tagung lautete Begegnungsorte und hatte die Zielsetzung, aktuelle geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsprojekte zu präsentieren, in denen inter- und transkulturelle Kontaktzonen der slawischen und der deutschen Kultur im Zentrum stehen. Der Begriff des Begegnungsortes wurde auf unterschiedlichen Ebenen in den Blick genommen. Die Bereiche umfassten dabei geo-politische und multisprachliche Begegnungsorte sowie die Begegnung über Weltbilder, Mythen oder Erinnerungen in Literatur, Sprache und Kultur.

 

Die Veranstaltung des 23. Schlesienseminars mit dem Thema Europa nach dem großen Krieg in Kamien Slaski / Groß Stein wurde vom Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Opole organisiert. Im Rahmen der Tagung wurde die Zwischenkriegszeit der 1920er Jahre zum Ausgangspunkt über Fragen zur Historie des deutsch-polnischen Dialogs, wobei vor allem die Bedeutung der Grenzregion Schlesiens als spezifischer Geschichts- und Kulturraum diskutiert wurde. Die Beiträge umfassten sowohl historische Kontextualisierungen der politischen Lage im östlichen Mitteleuropa nach dem Ersten Weltkrieg als auch kulturelle Veränderungen vor allem mit Blick auf die Region Schlesien. Die Tagung fand in deutscher und polnischer Sprache statt, die Beiträge wurden jeweils simultan übersetzt.

 

Im Rahmen dieser beiden Veranstaltungen war ich eingeladen, einen Vortrag über erinnerungskulturelle Narrative des Familiengedächtnisses in aktueller Gegenwartsliteratur zu halten, mit dem Fokus auf Texte, in denen die Region Schlesien als generations- und kulturübergreifender Erinnerungsraum inszeniert wird. Mein Beitrag mit dem Titel Das geteilte Gedächtnis – Transgenerationale und transkulturelle Aspekte der Kontaktzone Schlesiens in ausgewählter deutscher und polnischsprachiger Gegenwartsprosa fokussierte ausgehend von Theorien zum Familiengedächtnis die Frage von generationenübergreifender Erfahrungsvermittlung vor dem Hintergrund der Historie Schlesiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Beispiel von zwei einschlägigen Beispielen zeitgenössischer Generationenprosa, dem 2014 erschienenen Roman Sieben Sprünge vom Rand der Welt von Ulrike Draesner sowie dem 2014 in polnischer Sprache erschienenem Roman Drach von Szczepan Twardoch, konnte ich die strukturelle Bedeutung des Familienkollektivs für die Vermittlung von Erfahrung und Erinnerung vor dem Hintergrund Schlesiens als Geschichts- und Identitätsraum aufzeigen und Weisen narrativer Identitätsinszenierungen analysieren.


Für mein laufendes Dissertationsprojekt, das sich mit Fragen der Vermittlung der Gewalthistorie des 20. Jahrhundert in deutschsprachiger Gegenwartsprosa u.a. mit dem Schwerpunkt auf Erinnerungsorte in Mittel- und Osteuropa befasst, waren beide Konferenzen überaus bereichernd. Beide Veranstaltungen boten mir die Gelegenheit, meine Beobachtungen im Rahmen aktueller Debatten in der Germanistik sowie den Geschichts- und Kulturwissenschaften kritisch zu diskutieren und um spannende Impulse zu ergänzen. Ich danke dem ZGS für die freundliche Unterstützung und Ermöglichung der Reise.