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Ohne Zukunft, ohne Erinnerungen, so sitze ich hier

Datum: 11. - 14. Oktober 2018

Ort: Naumburg (Saale), Deutschland

von Nicolas Brauer

Die Nietzsche-Gesellschaft (e.V.) veranstaltet seit 1990 Jahrestagungen, die jeweils unter einem bestimmten Oberthema stehen. Diese zusammen mit der Friedrich-Nietzsche-Stiftung veranstalteten Konferenzen finden im Herbst im Nietzsche-Haus und im Nietzsche-Dokumentationszentrum in Naumburg an der Saale statt. Sie dauern in der Regel von Donnerstag bis Sonntag und untergliedern sich in Plenarsitzungen sowie verschiedene Sektionen. Während die Plenarsitzungen längere Vorlesungen bieten, die jeweils nacheinander abgehalten werden, finden die verschiedenen Sektionen zeitgleich nach den Plenarsitzungen statt. Die Sektionsvorträge haben die Form von kürzeren Referaten mit anschließender Diskussion. Der diesjährige, 29. Nietzsche-Kongress widmete sich den eng verbundenen Themen Gedächtnis und Geschichte. Dementsprechend kreisten der Großteil der Vorträge um Nietzsches Theorien über Erinnerung, die Körper-Geist-Beziehung, seine erzählerische Reflexion geschichtlicher Ereignisse und seine Gedanken zur Geschichtsschreibung. Organisiert wurde die Tagung von Carlotta Santini (Cambridge, England) und Anthony Jensen (Providence, USA). In den vier Konferenztagen wurden knapp 70 Vorträge von Referentinnen und Referenten aus ungefähr 20 verschiedenen Ländern von fast allen Kontinenten vereint. Dies zeigt deutlich das Gewicht der Jahrestagung als einer der wichtigsten internationalen Veranstaltungen zur Philosophie Nietzsches. Mein Vortrag war Teil der Sektion A „Geschichte, Historie und Bildungsprozesse“ am Nachmittag des 12. Oktober 2018. Die Moderation der Sektion übernahmen Axel Pichler (Stuttgart,Deutschland) und Marco Brusotti (Lecce, Italien & Berlin, Deutschland). Der Titel meines Vortrags lautete „Relativismus in der Geschichtsschreibung bei Heidegger und Nietzsche“. Inhaltlich lag mein Fokus auf Heideggers Auslegung von Nietzsches zweiter Unzeitgemäßer Betrachtung „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ in „Sein und Zeit“ (§ 76). Meine Ausführungen drehten sich im Kern um die Frage, ob Heideggers und Nietzsches Konzept der Geschichtsschreibung als relativistisch bezeichnet werden kann. Den Hintergrund meines Vortrages bildet mein laufendes Promotionsprojekt über Heideggers Geschichtsphilosophie unter der Betreuung Prof. Peter Trawnys. Folglich habe ich in dem Vortrag Fragestellungen meines Dissertationsvorhabens mit meinem langjährigen Interesse für das Werk Friedrich Nietzsches verbunden. Die anschließende Diskussion hat mir wichtige Hinweise im Hinblick auf die Differenzierung bestimmter Problemstellungen meiner Promotion gegeben. Darüber hinaus habe ich im Laufe der Tagung neue Personen kennengelernt, mit denen ich viele anregende Gespräche geführt habe. So war der Besuch der Tagung für den Fortgang meiner Dissertation ein gewinnbringendes Unternehmen, dem ich viele neue Eindrücke verdanke.