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„International Conference on Narrative 2016“

Die Jahreskonferenz der International Society for the Study of Narrative (ISSN) ist eine der größten und wichtigsten Konferenzen im Bereich der internationalen Erzählforschung. Sie findet alle drei Jahre in Europa statt und wird ansonsten in den USA ausgerichtet. Auf der Narrative Conference treffen sich die Mitglieder der ISSN, d.h. Narratologen aus aller Welt, um sich in einem internationalen Kontext über aktuelle Forschungstrends und die neuesten Forschungserkenntnisse in ihrem Fachgebiet auszutauschen. Das Tagungsprogramm gestaltet sich aufgrund der Größe der Tagung außergewöhnlich facettenreich: Von Themenblöcken zur klassischen Narratologie über Sektionen zur breitgefächerten postklassischen Narratologie bis hin zu interdisziplinär ausgerichteten Ansätzen der Erzählforschung – auf der ISSN-Konferenz werden regelmäßig alle Forschungsrichtungen der narrative studies abgedeckt.

Das Programm der International Conference on Narrative bot in diesem Jahr mehrere Highlights ganz besonderer Art. So gab es u.a. gesonderte Panels zu literaturtheoretischen Größen wie Roland Barthes („Roland Barthes Today“) und Lubomír Doležel („What Narratology Owes to Lubomír Doležel“). Letzterer war auch persönlich auf der Tagung anwesend, da ihm im Zuge der Veranstaltung der Wayne C. Booth Lifetime Achievement Award verliehen wurde. Eine der meist besuchten Sektionen neben den Plenarvorträgen war jedoch das Panel „Towards a ‚Natural‘ Narratology Twenty Years Later“, das anlässlich des 20. Jahrestages der Publikation von Monika Fluderniks wegweisender Monographie veranstaltet wurde. In diesem Panel trugen ausgewiesene Experten wie Jonathan Culler, Brian McHale, Dan Shen und Maria Mäkelä ihre unterschiedlichen Reaktionen auf Fluderniks Werk vor, die anschließend von der Autorin selbst kommentiert wurden.

Mein eigener Beitrag auf der diesjährigen International Conference on Narrative war ein Vortrag zum zeitgenössischen Präsensroman. In meinem Paper argumentiere ich, dass die Wahl des Erzähltempus für narrative Texte wichtige Auswirkungen nicht nur auf die strukturelle Aufmachung, sondern auch die Wahrnehmung des Lesers haben kann. Anhand des Romans Maps for Lost Lovers (2004) von Nadeem Aslam stelle ich repräsentative Funktionen des Präsens als Erzähltempus vor und zeige auf, inwiefern sich diese vom Gebrauch des epischen Präteritums in Erzähltexten unterscheiden. Da der Vortrag sehr nah an das von mir verfolgte Dissertationsprojekt angelehnt ist, erhielt ich durch das konstruktive Feedback zu meiner Präsentation auf der Konferenz gleichzeitig interessante Denkanstöße für mein Forschungsvorhaben.
 
Insgesamt war die Teilnahme an der International Conference on Narrative 2016 eine sehr wertvolle Erfahrung für mich und ich danke dem Zentrum für Graduiertenstudien herzlich für die Unterstützung.